Berlin : Das Ende eines Martyriums

Brigitte T. wurde in ihrer Wohnung erschlagen. Erst zwei Monate später fand man ihre Leiche

Heiko Wiegand

Brigitte T. war immer hilfsbereit, sagt der Hauswart des Wohnblocks an der Spandauer Feldstraße. „Ein Kumpeltyp – überall im Kiez bekannt. Die ist ja schließlich hier aufgewachsen“, fügt Herr O. hinzu.

Brigitte T., die Frau aus dem Viertel hinter dem Falkenseer Platz, wurde nur 46 Jahre alt. Am 1. April fand die Polizei ihre Leiche in der Erdgeschoss-Wohnung des grauen 50er-Jahre-Gebäudes. Wahrscheinlich hat man sie erschlagen – an Kopf und Körper stellten die Ermittler Spuren „stumpfer Gewalt“ fest, wie es im Polizeibericht heißt. Das Gewaltverbrechen geschah wahrscheinlich schon Ende Januar. Die Leiche lag mehr als zwei Monate unentdeckt in der Wohnung, bis eine Bekannte, die lange nichts von Frau T. gehört hatte, die Polizei verständigte.

Der Tod der Spandauerin scheint der Schlusspunkt eines langen Martyriums zu sein. „Letztes Jahr Weihnachten habe ich sie zum letzten Mal im Krankenhaus besucht. Man hat sie so zusammengeschlagen, dass ich ihr Gesicht nicht mehr erkennen konnte.“ Frau S., die Wirtin der Fußballerkneipe „Zum fröhlichen Zecher“ gleich um die Ecke hat die erschlagene Frau seit langem gekannt. „Brigitte hat bei mir zehn Jahre als Bedienung gearbeitet, bis Ende der 90er Jahre. Ich habe immer ein wenig auf sie aufgepasst.“

Die Wirtin weiß nicht so recht, wie sie’s ausdrücken soll. Ja, mit den Männern habe sie es halt gehabt. Und mit dem Alkohol. Aber sie sei beliebt gewesen im Kiez, obwohl sie manchmal einen zu viel getrunken habe. Und dann sei sie auch mal unangenehm geworden gegenüber den Gästen. Aber das habe man ihr schnell verziehen. Im „Fröhlichen Zecher“ nimmt man Ruppigkeiten so schnell nicht übel.

Lange vor dem letzten Weihnachtsfest lag Brigitte T. schon einmal im Krankenhaus. „Damals wurde Brigitte auch schon so übel zugerichtet.“ Von wem? Warum ging sie nicht zur Polizei? „Ihr Lebensgefährte hatte die voll unter Kontrolle. Der hat bei ihr gewohnt – und sie hatte nix zu melden“, sagt die Wirtin. Seit dem Tod von Brigitte T. sei ihr Lebensgefährte offenbar abgetaucht. Ob er mit der Tat in Verbindung gebracht wird, ist bisher offen. Zum Stand der Ermittlungen könne er bisher nichts sagen, teilte ein Polizeisprecher mit.

Im Hausflur, über den Brigitte T. jeden Tag lief, riecht es nach Desinfektionsmitteln. Die graue Wohnungstüre wurde mit zwei grünen Aufklebern des Landeskriminalamtes versiegelt. Der modrige Geruch der Leiche, die zwei Monate lang in der Wohnung lag, ist nur in unmittelbarer Türnähe zu riechen. Deshalb wurde offenbar im Haus auch niemand auf den Tod der 46-jährigen Spandauerin aufmerksam.

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