Berlin : Das erste Wohnhaus Unter den Linden

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Der „Grundriss der Beyden Churf: Residentz Stätte Berlin und Cölln an der Spree“, 1652 gedruckt, ist der älteste Plan der Stadt. Gezeichnet hat ihn Johan Gregor Memhard (1607 – 1678), der erste bedeutende Baumeister und Stadtplaner des Großen Kurfürsten. Die Karte liegt der heutigen Ausgabe bei. Der Tagesspiegel eröffnet damit eine Zeitreise durch Berlin, mit Faksimiles alter Stadtpläne und redaktionellen Beiträgen. Der Plan von 1652, im Maßstab 1:5300, muss auf den ersten Blick verwirren. Anders als gewohnt liegt Norden nicht oben, wie die Magnetnadel am linken unteren Rand zeigt. Auch die Orientierung auf dem Plan der Doppelstadt, die der Krieg auf ihre mittelalterliche Ausdehnung zurückgeworfen hatte, ist nicht einfach. Nur zwei Brücken führten über die Spree, links Lange Brücke (heute: Rathausbrücke), rechts Mühlendamm. Mit der Karte sollte die neue Befestigung vorbereitet werden, noch heute erinnert der Verlauf der Stadtbahn zwischen Jannowitzbrücke und Hackescher Markt an die von Memhard geplanten Befestigungen. Nach ihm ist die Memhardstraße am Alexanderplatz benannt. In der BerlinForschung wird sein Name meist mit dt geschrieben.

Sein Wohnhaus errichtete der Baumeister als erstes Gebäude an dem seit 1647 mit Linden und Nussbäumen bepflanzten Reitweg in den Tiergarten, woraus der Boulevard Unter den Linden entstand. Auf dem Plan findet man ihn links unten. Laut Legende war die sechsreihige Allee „250 Reinl. Ruthen lang“, was 942 Metern entspricht. Der Tiergarten begann also auf Höhe der heutigen Schadowstraße. Memhards Haus (1653/54) wurde später aufgestockt, seit 1799 war es Sitz der Stadtkommandantur. Der Bertelsmann-Konzern lässt das Gebäude wieder aufbauen, modern, doch mit alter Fassade. ac

Nächste Folge am 7. Dezember: der Stadtplan von 1738

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