Berlin : Das fahrende Volk steht auf Komfort

Zirkuswagen ade: Sarrasani-Artisten leben im Hotel Berlin. Eine Bilanz der Aktion „Allez hopp!“

Es sind schon kleine Kunststücke, die die Mitarbeiterinnen vom Room-Service im Hotel vollbringen. „Wenn ich von der Show ins Zimmer zurückkomme, sind meine Stofftiere jeden Tag anders liebevoll drapiert. Mal reitet ein Teddy auf dem anderen, wie im Zirkus“, sagt Edith Slavova, 25. „Eddy“, wie die Kollegen vom Zirkus Sarrasani ihr „Mädchen für alles“ nennen, hat wie rund 30 Artisten ein paar Wochen lang im Tiergartener „Hotel Berlin“ gelebt. Zirkusleute als Gäste, das inspiriert eben auch die Akteure in der Hotellerie.

Die Blue-Band-Hotel-Gruppe war Initiator der Benefiz-Aktion von Circus Sarrasani und Tagesspiegel. Neben dem Hotel Berlin gehören das Excelsior, das Plaza Hotel, das Berlin Mark und das Mark Apart Hotel in dieser Stadt sowie das City Park Hotel in Frankfurt (Oder) zur Gruppe. Aufgrund ihrer Initiative konnten unter dem Motto „Allez hopp!“ Hunderte bedürftiger Kinder den Zirkus besuchen. Die Resonanz bei den sozialen Organisationen war überwältigend. So viele E-Mails, Briefe und Karten erreichten die Redaktion, dass die Hotelgruppe weitere 100 Tickets spendierte. Insgesamt können 800 bedürftige Kinder noch bis Sonntag einen Gratis-Varieté-Nachmittag erleben, wie der stellvertretende Direktor des Hotel Berlin, Oliver Heldt, bilanziert. Spaß für die einen, Arbeit für die anderen: Edith aus Florida hat im Laufe ihrer Zirkuskarriere schon viele Wohnwagen von innen gesehen. „Das Leben ist urig, aber auch unkomfortabel“, relativiert die Tänzerin und Pferdeakrobatin Publikums-Phantasien. Heute genießt sie wie die rumänischen Balletttänzerinnen Violetta, Raluca, Laura und die anderen um Choreograph Marian Ilie den Komfort. Mittags im Fitnessraum warmmachen, abends in der Sportsbar erholen. Edith: „Wenn wir Mitarbeiter vom Hotel Berlin im Publikum erkennen, holen wir sie gern in die Manege, um einen Scherz mit ihnen zu machen.“ Nach der Show geht es wieder zurück „nach Hause“ an den Lützowplatz, so sagen das die Artisten.

Jonglieren die Künstler nun mit Fernbedienung und Fläschchen aus der Bar? „Ich muss meine privaten Sachen verteilen damit ich mich wohl fühle“, sagt Edith. Die Kaffeemaschine im Zimmer „gehört bei uns zum Standard“. Manchmal auch die Flasche Sekt. „Wenn wir mal auf dem Zimmer feiern, sind die Leute hier sehr kulant.“ Auf eines wollen die Artisten im Hotel nicht verzichten. Das TV-Gerät – denn da können sie sich selbst einmal zuschauen. Annette Kögel

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