• Das "Fellini" zählt zu den guten Berliner Italienern, wo immer ein Platz zu bekommen ist

Berlin : Das "Fellini" zählt zu den guten Berliner Italienern, wo immer ein Platz zu bekommen ist

Bernd Matthies

Mohrenstr. 30, 10117 Berlin-Mitte, Tel. 2023-0, geöffnet: nur Abendessen, Kreditkarten: alleBernd Matthies

Die Behauptung läßt sich alljährlich wiederholen, und sie wird alljährlich wahrer: Der Gendarmenmarkt mit den unmittelbar angrenzenden Straßen bietet vermutlich die höchste Zahl ordentlicher bis sehr guter Restaurants auf einem Haufen in Deutschland. Angefangen hat es einst mit Borchardt und den Dachrestaurants im Hilton und Grand Hotel, dann kamen Vau, Trenta Sei und Portalis, demnächst Aigner und Langhans - und wer will, kann für sich persönlich noch zwei oder drei andere Restaurants addieren, über deren Küche man streiten darf. Dieser Eindruck läßt vermuten, daß es mit Berlin bergauf geht: Jeder neue Restaurantplatz scheint zwei neue Gäste nach sich zu ziehen.

Die Dachrestaurants in den Hotels sind längst geschlossen, deshalb wird häufig übersehen, daß das Hilton dennoch einen kulinarischen Anspruch verteidigen möchte, unglücklicherweise tief im Keller. Dort drunten befindet sich das italienische Restaurant "Fellini". Heutzutage neigt man nicht dazu, überhaupt Restaurants in den Keller zu verlegen, schon gar nicht so, daß sie von außen niemand sehen kann. Deshalb zählt das "Fellini" zu den guten Berliner Italienern, in denen fast immer ein Platz zu bekommen ist.

Ein guter Italiener ist es zweifellos, auch nach dem Wechsel des Küchenchefs vor einigen Monaten. Er scheint verstärkt auf Tradition zu setzen; leider ist dabei das Angebot an Vorspeisen bedenklich schmal geworden, und für Büffelmozzarella mit Strauchtomaten und Basilikum braucht ja niemand ein Restaurant. Aber wir fanden immerhin das Thunfisch-"Roastbeef", außen sanft gegart, innen roh, sehr interessant. Der leichte Orangen-Akzent machte daraus eine Art Super-Sushi. Suppen werden intensiver gepflegt: Wir fanden drei auf der Karte, probierten die Fischsuppe "Portofino" und fanden sie sehr gelungen, hübsch deftig mit viel Knoblauch und zarten Jacobs- und Venusmuscheln als Einlage. Sehr ähnlich, traditionell, tadellos, die Spaghetti mit Meeresfrüchten.

Der beachtlich hohe Rang dieses Restaurants zeigt sich aber vor allem bei den Hauptgängen. So saftige, eßfreundlich präparierte, mit Rosmarin delikat gewürzte Lammkoteletts sind selten, selten wie das herrlich dicke Steinbuttfilet, das uns zusammen mit einigen hauchdünnen Trüffelscheiben serviert wurde. Schade, daß beide Gerichte mit nahezu identischen Gemüsegarnituren aus der Küche kamen - man sieht daran, daß diese Küche noch nicht ganz die Konsequenz aufbringt, die ihr eigentlich anstünde. Bei den Desserts ging es zunächst ähnlich wie bei den Vorspeisen: Panna Cotta, Crema Catalana, Tiramisu kennen wir ja nun wirklich. Allerdings macht das kaum jemand so sorgfältig, die Katalanische mit wunderbaren Amarena-Kirschen, die Panna Cotta mit Mango und etwas Moscato-Wein. Alles nicht billig, aber auch nicht unangemessen teuer; Hauptgerichte von etwa 35 bis knapp über 40 Mark, Pasta um 20, Desserts um 15 Mark. Die Weinauswahl ist nicht riesig, bietet aber sehr gute Qualitäten auch im Viertel, zum Beispiel einen ausgezeichneten Barbera. Sehr empfehlenswert ist der Pinot Grigio Dessimis von Vie di Romans, eine gelungene Barrique-Variante (69 Mark).

Bleibt das Atmosphärische. Der Raum ist aufwendig ausgestattet, man sitzt bequem auf noblen Ledermöbeln, und eine riesige Aufschnittmaschine wirft wundervollen Parmaschinken ab, der zusammen mit hausgebackenen Grissini serviert wird - von drei freundlichen Kellnerinnen in roter Uniformjacke, die meist gut im Bilde sind. Die Akustik allerdings wirkt indiskret, solange nicht genügend schwatzende Gäste beisammen sind, Fans der umbrischen Trattoria mit den blaukarierten Tischdecken werden sich womöglich unwohl fühlen. Alle anderen sollten beim Grübeln über den Gendarmenmarkt an dieses Restaurant denken. Es gibt dort bedeutend schlechtere Adressen.

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