Berlin : Das Festival und ich

Von Lollobrigida bis Deneuve: Was wäre die Berlinale ohne Diven?

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Sie braucht den großen Auftritt. Die Blitzlichter, den roten Teppich, die Schweißperlen auf der Stirn der Festivalmacher – die Diva. Heute ist es wieder soweit. Heute kommt Catherine Deneuve. Ihren Ruf als Diva hat sie bei einem ihrer letzten BerlinBesuche bewiesen. Da kam sie gut eine Dreiviertelstunde zu spät zu Foto-Termin und Pressekonferenz ins Hyatt. Aber statt sich zu beeilen, ließ sie sich, erst einmal ein Essen zubereiten und vorsetzen. Die anderen müssen warten? Sollen sie doch! Diese Rolle spielte sie in dem Film, den sie damals in Berlin präsentierte, übrigens auch perfekt: „8 Frauen“, mit der Deneuve als herrische Patriarchin

Was wäre die Berlinale ohne die Diva? Namenlos. Denn es war die Schauspielerin und Kabarettistin Tatjana Sais, die 1951 so mir nichts dir nichts dem frisch aus der Taufe gehobenen Festival diesen Namen verpasste. Zum Ärger der damaligen Veranstalter. Schließlich versuchten sie das Fest gegen die Konkurrenz aus Cannes und Venedig zu behaupten, und das, so hieß es damals, könne ja unmöglich gelingen, wenn das Festival ähnlich der Biennale in Venedig „Berlinale“ genannt werde. Sie hatten sich getäuscht.

Den wohl aufsehenerregendsten Auftritt einer Diva erlebte die Berlinale 1986. Vorsitzende der Jury war Gina Lollobrigida. Sie machte zu Beginn der Preisverleihung am Schluss des Festivals ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter. Der Grund: Die Jury hatte mit knapper Mehrheit beschlossen, den deutschen Beitrag „Stammheim“ von Reinhard Hauff nach einem Buch von Stefan Aust mit dem Goldenen Bären als besten Film auszuzeichnen. Die Lollo war dagegen. Und sie sagte das auch: „I was against this film.“ Sie verlangte vom stellvertretenden Jury-Vorsitzenden Rudi Fehr, dass er diesen Satz im vollbesetzten Zoo-Palast ins Deutsche übersetzte. Damit hatte sie die Schweigepflicht der Jury gebrochen und die anderen Juroren brüskiert. Schließlich konnte aber weder der Satz der Lollo noch ihr finsterer Blick die Preisverleihung verhindern. Hauff und Aust strahlten.

Schwierig wird es, wenn Diven untereinander um den Auftritt buhlen. So geschehen bei der Goldenen Kamera 2004. Da bekamen sich Claudia Schiffer und Faye Dunaway in die Haare, weil das Model sich weigerte, zusammen mit der Schauspielerin die Auszeichnung an Jack Nicholson zu vergeben. Claudia Schiffer wollte den Auftritt alleine und setzte sich durch. Faye Dunaway, die eigens dafür angereist war, knirschte beim Lächeln für die Fotografen mit den Zähnen, nahm’s aber mit Fassung. oew

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