Berlin : Das Fräuleinwunder

Es geht auch ohne die Geschwister Pfister: Andreja Schneider startet ein Solo-Programm

Nana Heymann

Es ist ja nicht so, dass Andreja Schneider nicht gerne morgens in ihrem Lieblingscafé in Kreuzberg sitzt, sich einen Kaffee mit Honig bestellt und dabei Zeitung liest. Aber irgendwie will sich die sonst mit dem Ritual verbundene Entspannung an diesem Vormittag nicht einstellen. Eigentlich stünden jetzt Proben zum ersten Solo-Programm des weiblichen Drittels der Geschwister Pfister an. Doch die mussten kurzfristig verschoben werden, was die Nervosität der Schauspielerin und Sängerin zusätzlich steigert. Unruhig sitzt Andreja Schneider am Tresen der „Mokka-Bar“, plauscht ab und zu ein paar Worte mit dem Personal, beantwortet Nachfragen anderer Gäste: Ja, die Show startet am Freitag in der „Bar jeder Vernunft“, nein, den Eintrittspreis weiß sie nicht aus dem Kopf. Aber hier – und dabei drückt sie den Interessierten einen Flyer in die Hand – steht alles drauf.

Bei ihrem ersten Alleingang nach der einjährigen Kreativpause der Geschwister Pfister überlässt die resolute Kabarettistin nichts dem Zufall, kümmert sich um jede noch so kleine Vorbereitung für den großen Tag selber. Von all den unvorhergesehenen Problemen dabei erzählt sie in einer Mischung aus Glück und Erschöpftheit: „Gerade erst sind endlich alle Kostüme fertig geworden, auch ein ziemlich aufwendiger Kimono-Morgenmantel.“ Weitaus spärlicher bekleidet, in einem schwarzen Etwas aus Tüll, zeigt sie sich hingegen auf dem Flyer. An der Hand mit den rot lackierten Fingernägeln baumelt der Schlüssel, mit dem sie morgen Abend ihre „Pension Schneider“ – so der Titel des Programms - aufschließen wird. In der Show gibt La Schneider die fidele Pensionswirtin, deren Traum es ist, ihre Räumlichkeiten als Künstlertreff zu etablieren. Wer bei ihr ein Zimmer haben will, muss deshalb sein Talent unter Beweis stellen. Nur leider will das Unternehmen nicht so in Gang kommen. Aber keine Sorge: Zum Ende wird doch noch alles gut. Zumindest ein bisschen.

Nicht verraten dagegen will Andreja Schneider, wer die wechselnden Gäste ihres Programms sein werden. Stattdessen schwärmt sie von den Proben mit der Jo-Roloff-Band im Haus ihrer Eltern in Kroatien, am Flügel, den ihr Max Raabe geschenkt hat. Ihre Erzählungen unterstreicht sie mit großen, temperamentvollen Gesten. Zwischendurch lacht sie immer wieder, jeglicher Premieren-Anspannung zum Trotz. Es ist ein lautes, herzliches Lachen, bei dem sie sich mitunter ein paar Tränen aus den Augen wischt.

Neugierig und gespannt, so gesteht die 40-Jährige, sei sie auf die Reaktionen des Publikums zu ihrer Wandlung auf der Bühne. Vom bislang bekannten „Fräulein Schneider“, zu Zeiten mit den Geschwistern Pfister fast bis zur Selbstaufgabe verinnerlicht, ist nicht mehr viel übrig. Nun gelte es, eine völlig neue, eigenständige Bühnen-Identität zu schaffen.

Nach knapp anderthalb Stunden in der „Mokka-Bar“ sammelt Andreja Schneider entschlossen ihre Sachen zusammen, zieht den Wintermantel über, verabschiedet sich vom Personal und lässt sich schnell noch in altbewährter Theatertradition drei Mal über die Schulter spucken. Das bringt Glück. Und hilft vielleicht auch ein bisschen gegen das Lampenfieber.

„Pension Schneider“, Bar jeder Vernunft, freitags und sonnabends 23.30 Uhr, Kartentelefon 883 15 82, Tickets kosten ab 13,90 Euro

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar