Berlin : Das Fremde liegt ihm am nächsten

Matthias Schweighöfer sagt von sich, er spielt Charaktere am besten, mit denen er nichts gemeinsam hat. Zum Beispiel in „Soloalbum“

Tanja Buntrock

Er hat ein Juchzen gehört. Von Benjamin von Stuckrad-Barre und Anke Engelke. Matthias Schweighöfer nahm es wahr, als er sich von seinem Platz erhoben hatte und Richtung Bühne ging. Das war bei der Verleihung der „Goldenen Kamera“ im Februar im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt. Schweighöfers Name fiel, als der Gewinner der Curd-Jürgens-Gedächtniskamera, der Preis für männliche Nachwuchsschauspieler, bekannt gegeben wurde.

Für den Film „Soloalbum“, (Premiere gestern Abend, ab 27. März im Kino) und für „Die Freunde der Freunde“, eine WDR-Produktion von Dominic Graf, ist er mit diesem Nachwuchspreis ausgezeichnet worden. Somit hatte auch Benjamin von Stuckrad-Barre etwas zu feiern: Er ist der Autor des Buchs „Soloalbum“, das nun unter der Regie von Gregor Schnitzler verfilmt worden ist. „Ich habe Benjamin das erste Mal gesehen bei der Verleihung. Wir haben den Erfolg mit ein paar Gläsern Wein begossen“, erinnert sich das 22 Jahre alte Nachwuchstalent. „Vorher haben wir nur mal telefoniert.“ Ganz spontan habe ihn von Stuckrad-Barre angerufen, nachdem er den Film gesehen hat und gesagt: „Riesig, Alter, und danke, dass Du das so gespielt hast.“

Als das Buch „Soloalbum“ 1998 erschien, war Schweighöfer gerade mal 17 Jahre alt. Er ging in Chemnitz zur Schule und hat das Buch „überhaupt nicht wahrgenommen“. Popliteratur habe ihn nicht interessiert. Der Inhalt wohl erst recht nicht: Ein junger Szene-Musikmagazin-Redakteur wird von seiner Freundin verlassen und will sie zurückerobern. Dabei verliebt er sich zum ersten Mal richtig in sie.

„Ich las damals Arthur Rimbaud“, sagt er und wuschelt sich ein wenig verlegen durch den blonden Lockenkopf. Dann fügt er schnell hinzu: „Aber vor Drehbeginn habe ich das ’Soloalbum’ gelesen, und es hat mir gefallen. Vor allem deshalb, weil die Hauptfigur so gar nichts mit mir gemeinsam hat. Dann fällt mir das Spielen am leichtesten.“

Weder hat Schweighöfer damals „Oasis“ gehört – die Britpopper spielen in dem Buch eine große Rolle – noch hat er sich die Nächte in Clubs um die Ohren geschlagen. „Das mache ich auch hier in Berlin nicht. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal tanzen war“, sagt er und grinst. „Man wird ein wenig träge mit der Zeit.“

Nach dem Abitur ist er mit seiner Freundin nach Berlin gezogen. Mit ihr lebt er zusammen in Prenzlauer Berg. Er sei aber eben kein Nachtmensch, gehe lieber in ein schönes Café in Berlin, besonders am Kollwitzplatz, um Leute zu beobachten. Kochen und Quatschen mit seinen Freunden sei ihm wichtiger, als dass er nächtelang um die Häuser zieht. „Wenn man so viel unterwegs ist wegen der Dreharbeiten, muss man die Zeit nutzen, um zu Hause mal Freunde zu treffen oder die Familie.“

Seine Eltern sind geschieden. Vater Michael ist Ensemblemitglied am Deutschen Theater. Seine Mutter Gitta ist mittlerweile auch von Chemnitz nach Berlin gezogen, spielt aber im „Thalia“ in Hamburg. „Die beiden sind natürlich auch froh, wenn sie ihren Sohn mal sehen“, sagt der Sohn.

Aufgewachsen in dieser Schauspielerfamilie, hat er als Kind schon „viel Zeit in der Theaterkantine mit den Schauspielern verbracht“. Klar war immer, dass Schweighöfer den gleichen Beruf wie seine Eltern wählen würde. Mit Erfolg: Vor drei Jahren hat er den „Deutschen Fernsehpreis“ bekommen für die Hauptrolle in „Verbotenes Verlangen“, vergangenes Jahr den Günter-Strack-Fernsehpreis für den Lena-Odenthal-Tatort „Gewaltfieber“. Und in zwei Wochen bekommt er für „Die Freunde der Freunde“ auch noch den Grimme-Preis.

Es klingt so, als wolle er ein wenig kokettieren, wenn er sagt, dass die Auszeichnungen ihn gar nicht so sehr interessieren. „Klar, es ist eine Art Dank an Deine Arbeit, aber letztlich stellt man die Preise in den Schrank, und dann ist gut.“ Aber für den Film „Die Freunde der Freunde“ und für das gesamte Team freue es ihn „total, dass es geklappt hat“. Nun müsse man einmal abwarten, wie „Soloalbum“ läuft. „Hoffentlich schauen sich viele den Film an“, sagt Schweighöfer. Könnte schwierig werden, schließlich läuft noch die deutsche Komödie „Good Bye Lenin“. Und ist „sensationell erfolgreich“. Aber damit habe anfangs ja auch keiner gerechnet.

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