Berlin : Das Freundschaftsspiel

„Video Kings“ trumpft mit prominenten Schauspielern auf Alle machten aus Spaß an der Freude mit

Kolja Reichert

Die Filmcrew sitzt im Schöneberger Café „Tuffstein“ und kann sich nicht einigen. „Er ist ein liebenswerter Beschaffungskrimineller“, beschreibt Produzent Gerhard Hahn die Figur des Tommy, gespielt von „Ärzte“-Mitglied Bela B. „Nein, er ist ein Punk“, sagt Regisseur Ali Eckert. „Man sieht, was für eine schlechte Position ich habe“, klagt sein Kollege Daniel Acht, „ich sitz’ immer zwischen den beiden.“

Eines steht fest: Die Komödie „Video Kings“ kommt mit deutschen Filmgrößen wie Til Schweiger daher. Produziert wurde sie aber als Independent-Film. Es gibt keinen Verleih und kein Marketing, alle Schauspieler kamen für die Kosten selber auf. „Wir wollten nicht darüber nachdenken müssen, ob Dialoge über Drogen erlaubt sind oder ob jemand gegen eine Wand pinkeln darf“, erklärt Hahn den Verzicht auf Geldgeber. Er ist Trickfilmregisseur, produzierte „Werner Beinhart“ und „Benjamin Blümchen“.

Fabian Busch, bekannt aus „Liegen lernen“, spielt Flo, der auf seinem Job in einer Videothek sitzen geblieben ist. Der Laden soll verkauft werden, seine Ex erwartet ein Kind, ein Inkasso-Unternehmen fordert Schulden ein. „Flo ist sozusagen überreif“, erklärt Daniel Acht, „er braucht einen Arschtritt.“ Der kommt in Person von Traumfrau Ramona.

Die Handlung beginnt mit einem realistischen Setting und driftet gegen Ende immer weiter ins Absurde. Wotan Wilke Möhring („Das Experiment“) spielt Flos Kollegen Hotte, einen Proll mit unsäglicher Frisur. Til Schweiger gibt als guter Macho-Geist auf einer Wolke Ratschläge zur Fraueneroberung, an seiner Seite das Duo Badesalz. Gedreht wurde in Neukölln, wo das Filmset überhaupt nicht als Fremdkörper auffiel. „Ständig kamen Leute in die Videothek und wollten Filme ausleihen“, erzählt Ali Eckert grinsend. Wer dann erfuhr, dass hier gerade gedreht wurde, wollte mitspielen. Ein Cowboy mit Schoßhündchen zum Beispiel. „Er war unmöglich einzubauen“, sagt Hahn, „niemand hätte uns diese Figur abgenommen.“ Ein Berlin-Film? Das war zumindest nicht der Plan. „Die Figuren hätten auch in Frankfurt oder Düsseldorf funktioniert“, glaubt Acht.

Für ihn und Eckert ist „Video Kings“ der erste Spielfilm. Bisher haben die beiden vor allem Werbefilme gedreht, allerdings auch einen prämierten Kurzfilm. Gerhard Hahn kannten sie bereits, und auch seinen Wunsch, einmal einen Realfilm zu produzieren. Ihre letzten Ersparnisse haben sie für den Film zusammengekratzt, so Hahn. Das größte Kapital, das in „Video Kings“ floss, waren Bekanntschaften. Eckert halfen beispielsweise Kontakte zu Bands: Die Beatsteaks steuerten eine unveröffentlichte Aufnahme bei, die Punkband „El*ke“ ein Liebeslied. Ein Projekt unter guten Freunden – dieser Gedanke zieht sich auch durch die Marketingstrategie. Die Werbung läuft über die Internet-Community Myspace. Jedes Mitglied kann hier „Freund“ von Flo und Hotte werden – wer schnell war, darf heute zur Premierenparty im Kino Babylon. Der soll eine Städtetour folgen mit weiteren Partys und Konzerten. Und vielleicht „Video Kings 2“.

Wir verlosen 3 mal 2 Tickets für die Party unter den Einsendern einer E-Mail „Video Kings“ an verlosung@tagesspiegel.de. Einsendeschluss ist heute um 13 Uhr. Name und Telefonnr. nicht vergessen.

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