Berlin : Das Geheimnis des Dresdner Erfolges

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Schlechte Nachrichten für Berlin. Im großen Städtetest landet die Hauptstadt abgeschlagen auf Platz 48 – von 50 deutschen Metropolen. Dresden: auf Platz 10. Und beim Tempo der Entwicklung ist Dresden sogar bundesweit Nummer eins. Dabei zieht Berlin, die Stadt mit der lebendigsten Kunst- und Kulturszene Deutschlands so viele Touristen an, wie sonst nur Paris oder Rom. Alles schön und gut, sagen die Wissenschaftler des Instituts für Wirtschaft, für eine Metropole aber zu wenig.

Dresdens Erfolg ist messbar: Das Bruttoinlandsprodukt der Stadt je Einwohner wuchs zwischen 2000 und 2004 um gewaltige 30 Prozent – in Berlin geht es kaum vorwärts. Deshalb ist die Arbeitslosigkeit hier höher als in Dresden. Und das Dresdner „Jobwunder“ hat Zukunft, denn jeder Fünfte ist hoch qualifiziert und gut bezahlt – nur in München, Klassenbester im deutschen Städtevergleich, arbeiten noch mehr gut bezahlte Experten. Abgeschlagen dagegen Berlin: Die Wirtschaftsförderung nennt Call-Center an erster Stelle, wenn man nach neuen Firmen fragt – diese Branche zahlt wenig und verlangt wenig spezielle Kenntnisse.

Auch mit ihrer Investitionsquote (fast 15 Prozent) erzielt die Elbestadt das zweitbeste Ergebnis bundesweit. Investitionen heißt: Die Stadt unterstützt Firmen mit Geld, billigen Produktionsflächen, schafft Bus- oder Straßenbahnanschlüsse für die Firmen oder stellt rasch billige Grundstücke bereit. Deshalb setzt sich die „Sachsenfraktion“ bei der Ansiedlung neuer Tochterfirmen oft durch.

Für diese Politik hat sich Dresden jetzt noch mehr Spielraum verschafft: „Wir haben keine Schulden mehr und investieren unsere Haushaltsmittel nun in Schul- und Bildungsprojekten“, sagt Bürgermeister Hilbert. Jugendliche sollen noch früher einen Einblick in Zukunftsbranchen bekommen. Geld dafür gibt es durch Einnahmen aus dem umstrittenen Verkauf der städtischen Wohnungsbaugesellschaft. Seitdem zahlt Dresden keinen Cent mehr für Schuldzinsen. Dagegen wird der Berliner Haushalt von der Zinslast erdrückt.

Und noch einen entscheidenden Köder bei der Jagd auf internationale Firmen legt Dresden aus: Stadt und Land helfen schnell, unbürokratisch und gerne mal am „runden Tisch“ mit Vertretern verschiedener Verwaltungen. Diese Tradition soll auf den früheren Landesvater Kurt Biedenkopf zurückgehen. Weil damals die Wohnungen knapp waren, hatte sich der Ministerpräsident mit Ministern in das frühere „Gästehaus der DDR“ einquartiert. In der großen WG wurden politische Strategien am Frühstückstisch Ressort übergreifend ausgeheckt – der größte Erfolg des „runden Tischs“ war die Ansiedlung des Chip-Giganten AMD.

Diese Tradition blieb bis heute erhalten. Und davon profitieren nicht nur die Umsatzgiganten. Ein Beispiel nennt Ann de Beukelaer, Direktorin des Netzwerkes Biosaxony, das die größte europäische Biotechnik-Messe nach Dresden holte. Die Stadtverwaltung habe in nur drei Tagen einen Millionenkredit für eine High-Tech-Firma beschafft. Der Firma waren kurz vor einem wichtigen Messeauftritt alle Computer und Laptops aus dem Büro gestohlen worden. Ohne die Hilfen der Stadt hätten die Existenzgründer die Messe absagen müssen. „Das hätte ihnen wohl den Todesstoß versetzt“, sagt die Bionetz-Chefin. ball

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