Das geht aufs Haus : Hotels und Eventagenturen als Wohltäter

Sie engagieren sich nicht nur in der Weihnachtszeit für die Gesellschaft und helfen mit Räumen, Catering – sowie guten Kontakten.

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Manchmal wundern sich die Leute oder ärgern sich gar. Wie, bitte, kann es sein, dass ein sozialer Verein es sich leisten kann, zu einem Empfang in ein Fünf-Sterne-Hotel zu laden? Ganz einfach. Weil das Hotel die Räume weit unter Preis oder gar gratis zur Verfügung stellt. Denn gesellschaftliches Engagement bedeutet nicht allein, Geld oder Zeit zu stiften, um anderen zu helfen. Man kann auch Know-how oder Platz bereitstellen. Und diese Variante kommt besonders den Besuchern von Charity-Veranstaltungen zugute.

Gut gemeint ist nämlich nicht unbedingt gut gemacht. Das wissen Besucher von Galas, wenn sie für den guten Zweck schon mal sechs Stunden einen Sitzplatz im Theater gedrückt haben und im Wesentlichen nur Reden über sich ergehen lassen mussten.

Eventagenturen stehen mit Tipps zur Gästeliste bereit

Renommierte Eventagenturen wie Hardenberg Concept oder Schoeller & von Rehlingen geben ihre Kenntnisse auch schon mal zum Selbstkostenpreis oder ganz gratis weiter an kleine Projekte, die ihnen am Herzen liegen. Als kürzlich den Diabetikern mal mithilfe einer Gala mehr Aufmerksamkeit verschafft werden sollte, wandten sich die Organisatoren an Hardenberg Concept. Gründerin Isa Gräfin von Hardenberg half mit Tipps für die Gästeliste und den Ablauf der Veranstaltung. Von langen Reden rät sie ab. Sie versteht es auch, selbst sehr reiche und berühmte Veranstalter zu überzeugen, dass man damit die Leute nur in die Flucht schlägt.

Auch das Adlon gewährt Sonderkonditionen für den sozialen Zweck

„Vielen fehlen Kenntnisse im Marketing, sie beherrschen keine Pressearbeit und denken, es reicht, etwas für einen guten Zweck zu machen. Dann müssten die Prominenten schon von allein kommen“, hat Christine Bücken erfahren, die bei Hardenberg Mitglied der Geschäftsleitung ist. So einfach ist es aber nicht, das weiß auch Geschäftsführerin Amelie von Toll. „Wir helfen mit unseren Netzwerken und Kontakten, aber das ist harte Arbeit.“ Prominente bekommen oft viele Anfragen. Da hilft es, wenn eine über Jahre gewachsene Beziehung besteht. Manchmal werden auch Räume gesucht. Ganz umsonst sei es immer schwierig, aber man könne mit einigen Hotels gute Konditionen aushandeln. Das Hotel Adlon tritt bei manchen Charity-Veranstaltungen als Mitveranstalter auf, unterstützt so mit Sonderkonditionen die guten Zwecke etwa der Felix-Burda-Stiftung. Manchmal stellen auch Botschaften Räume zur Verfügung.

Die Suche nach Prominenten, die mit ihrem guten Namen helfen

Die Vielfalt der Möglichkeiten zu helfen, ist groß. Alexandra von Rehlingen ist engagierte Tierschützerin und hat sich zusammen mit Schauspielern schon mal vor dem Bundesrat in einen Hühnerkäfig sperren lassen, um für bessere Bedingungen bei der Tierhaltung zu demonstrieren. Auch für eine Antigänsestopfleberkampagne gab sie etwas von ihrem Wissen. Meist geht es darum, prominente Sympathieträger zu finden, die sich öffentlich für eine gute Sache bekennen. „Manchmal helfen wir auch mit Statements. Die mehrfache Mutter unterstützte auch die Präventionskampagne „Nichtrauchen ist cool“, indem sie Prominente einspannte, die Kinder cool finden. Erfahrung mit Charitys hat sie nicht nur ehrenamtlich gemacht. Unter anderem organisiert sie große Glamour-Ereignisse wie den Dreamball zur Unterstützung von Krebspatientinnen und den Rosenball zugunsten der Schlaganfallhilfe.

Ihre Partnerin Andrea Schoeller unterstützt die Benedictus-Stiftung, die christliche Vorstellungen in die gesellschaftlichen Diskussionen tragen will, mit den Netzwerken der Agentur. So finden sich nicht nur interessante Gäste bei den Veranstaltungen, sondern auch Referenten, die wirklich Funken sprühen lassen können. Mit Erfolg, die Stiftung ist der naheliegenden Gefahr, betulich zu wirken, erfolgreich entronnen. „Natürlich hilft es auch, wenn unser Name auf der Einladung steht“, sagt sie. Das klingt selbstbewusst, ist aber wohl richtig, da begehrte Gäste eher zusagen, wenn sie den Eindruck haben, dass eine Gala professionell gemanagt ist.

Gala gemeinsam mit Bryan Adams

Das trifft auf Hardenberg Concept ebenfalls zu. Amelie von Toll und ihre Mitstreiterinnen haben unter der Regie der Gründerin viel Praxis darin gesammelt, Veranstalter gut zu beraten, statt langer Reden zögen beispielsweise Filme oder Bilder viel mehr in den Bann. Sie haben mit der Gala „Innocence in Danger“ zugunsten der Bekämpfung von sexuellem Missbrauch im Internet schon viel bewegt. Und auch für „Hear the World“, eine Gala, mit der gehörgeschädigten Kindern in Entwicklungsländern geholfen wird, hat die Agentur im Zusammenwirken mit dem Sänger Bryan Adams viel beachtete Ereignisse geschaffen.

Auch große Hotels helfen mit Sachleistungen oder Know-how. Mitarbeiter des Adlon etwa unterstützen den Verein Kinderschutzengel, der sich um kranke Kinder kümmert, auf vielfältige Weise. Die Auszubildenden des Hauses lesen Geschichten vor oder bringen Gebäck vorbei, das im Hotel gebacken wurde. Und die Techniker streichen schon mal ein Spielzimmer im Krankenhaus neu. Catering gehört zu den Spezialitäten großer Hotels. Normalerweise kommen Geschäftsleute oder wohlhabende Partygänger in den Genuss. Zwischen dem Zweiten Weihnachtstag und Neujahr liefern das Interconti, das Crowne Plaza City Centre, das Grand Hotel Esplanade sowie die Hotels Concorde, Berlin, Palace und Pullmann Schweizerhof der Berliner Stadtmission im Hauptbahnhof warmes Abendessen für jeweils 150 Personen.

Das Interconti lädt Singles und Alleinerziehende Heiligabend zum Ball

Das Hotel Intercontinental stellt außerdem Heiligabend seinen Ballsaal unentgeltlich zur Verfügung für eine Weihnachtsgala für einsame Menschen, die von dem Pfarrerehepaar Werner und Birgitta Nachtigal organisiert wird. Diese Veranstaltung findet schon zum fünften Mal dort und insgesamt zum 19. Mal statt. „Wir sind glücklich, dass wir diesen Ort haben“, sagt Birgitta Nachtigal, die 300 Gäste erwartet. Alleinstehende Berufstätige, Alleinerziehende mit Kindern, gerade von Partnern Verlassene sind unter den Gästen von zwei Jahren bis über 90 Jahren (Anmeldung: Tel. 4771682).

Grand Hyatt Berlin bietet Zimmer im Charity-Package

Vergleichsweise neu ist das Engagement des Hotels Interconti für die „Stiftung Morgenstern“, die unverschuldet in Not geratenen Künstlern hilft. Für sie stellt General Manager Robert Herr unentgeltlich in den Arkaden einen Laden als Galerie zur Verfügung. Künftig sollen die Künstler aber auch ihre Bilder im Hotel ausstellen dürfen. Und das Grand Hyatt Berlin hat sich die „Charity Package“- Buchung ausgedacht. Wenn Gäste zu diesen Konditionen einchecken, gehen jeweils 25 Euro an das Jugendprojekt „Tanzzeit“.

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