Berlin : Das gelobte Land und die Entscheidung für Deutschland

Israels Präsident stellt jüdisches Leben in Berlin nicht mehr in Frage

Stephan Wiehler

Die Botschaft des israelischen Staatspräsidenten an die mit 12 000 Mitgliedern größte Jüdische Gemeinde Deutschlands war eindeutig, doch Mosche Katzav formulierte sie moderat. Er wolle die Entscheidung, in Deutschland zu leben, nicht in Frage stellen, erklärte Katzav seinen Zuhörern während des Empfangs im Jüdischen Gemeindehaus in der Fasanenstraße. Dennoch versäumte Katzav nicht, die Einladung ins gelobte Land zu erneuern: „Ihre Heimat ist in Israel.“

Paul Spiegel, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, hörte es mit Freude. Er wertet Katzavs Haltung als deutliches Zeichen dafür, dass Israel jüdisches Leben in Deutschland nicht mehr infrage stellt. Katzavs Besuch erleichtere gleichsam das „schlechte Gewissen“, das laut Spiegel viele Juden in Deutschland plagt, „ausgerechnet im Land der ehemaligen Mörder zu leben“. Die rund 100 000 jüdischen Bürger, die Deutschland ihre Heimat nennen, würden von Israel nicht mehr ignoriert.

So versöhnlich wie Katzav haben sich israelische Staatspräsidenten gegenüber jüdischen Deutschen nicht immer gezeigt. Noch 1996 hatte Katzavs Vorgänger, Ezer Weizman, während eines Berlin-Besuches offen sein Unverständnis darüber geäußert, dass Juden in Deutschland leben könnten und sie aufgefordert, nach Israel auszuwandern. „Der einzige Ort, an dem ein Jude Jude sein kann, ist in Israel“, belehrte Weizmann jüdische Jugendliche während einer Diskussion, die der damalige Bundespräsident Roman Herzog moderierte.

„Es gehört zum Selbstverständnis des Staates Israel, den Juden in aller Welt eine Heimat zu bieten, ob sie in Deutschland oder anderswo leben“, sagt Judith Hart, Chefredakteurin der Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“. Katzav habe dies deutlich gemacht, ohne, wie seinerzeit Weizmann, damit jenen Juden einen Vorwurf zu machen, die außerhalb Israels leben.

Für Amit Gilad, Sprecher der israelischen Botschaft, bleibt jüdisches Leben in Deutschland aber auch 67 Jahre nach dem Holocaust „eine Besonderheit“. „Allein die Sicherheitsbedingungen, unter denen Juden in Deutschland leben müssen, zeigen, dass es nicht normal ist – auch für die Deutschen nicht.“

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