Berlin : Das gewisse italienische Funkeln

Massimo Mannozzi lädt zu einem der liebenswürdigsten Berlinale-Empfänge ein: zur Notte delle Stelle

Heidemarie Mazuhn

Die Tür des „Bacco“ in der Marburger Straße steht manchmal offen, einfach nur so, als kleine Einladung. Wer mag, kann hineingehen, einen Espresso trinken, die fast schon museumsreife Einrichtung bewundern oder gleich einen Platz reservieren, um die viel gerühmte Pasta mit Trüffeln zu probieren. Das „Bacco“ ist Berlins vermutlich ältestes Ristorante – und Padrone Massimo Mannozzi der wohl bekannteste Botschafter italienischer Lebensart in der Stadt.

Das in dunklem Holz gehaltene Interieur im Stil der 70er Jahre hat nahezu historischen Charakter. Von den Wänden grüßen unzählige Fotos ehemaliger Gäste, allen voran die landeseigenen Nationalheiligtümer Sophia Loren, Gina „Nazionale“ Lollobrigida und Claudia Cardinale. Auch die einst durch Heirat vorübergehend nach Berlin eingebürgerte Romy Schneider gehörte neben vielen Stars und Sternchen, mehreren Bundespräsidenten und Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl zu jenen Prominenten, die es sich im „Bacco“ gut gehen ließen, die meisten mehr als ein Mal. Und seit Mannozzi auch Gastgeber der Galanacht „Notte delle Stelle“ im benachbarten Steigenberger-Hotel ist, hat sich der Zufluss von Fotos und Widmungen noch beschleunigt. Heute findet der Berlinale-Ball zum 15. Mal statt.

Das nach dem Weingott Bacchus benannte Lokal wird im nächsten Jahr sogar schon 40 Jahre alt. Und sein Ruf beruht keineswegs nur auf dem Zustrom heimwehkranker Landsleute und eingeborener Toskana-Fraktionäre. Das „Bacco“ ist auch ein Wegbereiter der italienischen Gastronomie in Berlin. „Echte“, also von Italienern betriebene italienische Restaurants sind in der Stadt seltener, als der gewöhnliche Pasta- Konsument annehmen möchte. Massimo Mannozzi schätzt, dass von 1000 Betrieben, die als „Ristorante“ oder „Pizzeria“ firmieren, in diesem Sinn nur etwa 180 echt sind. Mit Berliner Landsleuten kämpft er deshalb in einem Verein darum, dass der „Italiener“ geschützt wird – so, wie die Thüringer ihre Rostbratwurst schützen ließen.

Mannozzi, gelernter Koch und Kellner, kam 1960 als junger Mann aus seiner toskanischen Heimat nach Berlin. Er hatte sich in der Schweiz in die Berlinerin Monika verliebt. Aus seiner Heimat brachte er 1968 zwei vollbepackten Eisenbahnwaggons mit Einrichtungsstücken in die Stadt, und er verwandelte damit einen ehemaligen Elektroladen in das „Bacco“, so, wie es noch heute aussieht. „Bis ins kleinste Detail ist hier alles aus Italien, viel aus der Töpfer-Werkstatt meines Vaters in Viareggio“, erzählt der 66-jährige Padrone und pafft genüsslich an seiner Zigarre. Zwei bis drei gönnt er sich täglich davon – „das ist ja nicht Rauchen, ich inhaliere nicht“.

Heute Abend wird er sich dieser kleinen Sünde erst spät hingeben. Denn die Galanacht nebenan lässt ihm keine Zeit zum Entspannen. Das liegt vor allem am „Premio Bacco“, einer etwa 40 Zentimeter großen Bronze-Statue in Form einer Leier. Diesmal wird sie an Til Schweiger, das neue italienische Bond-Girl Caterina Murino, Nadia Uhl und Peppino di Capri, die singende Inkarnation italienischen Lebensgefühls vergeben. Zu ihren Vorgängern gehören unter anderen Sophia Loren, Claudia Cardinale, Ornella Muti, Martina Gedeck, Wolfgang Stumph, Armin Müller-Stahl, Iris Berben, Bruno Ganz und Franka Potente.

Die Idee zum italienischen Filmpreis und -Ball wurde – wie sollte es anders sein – selbstverständlich in Mannozzis Lokal geboren. Im Februar 1993 saß der Padrone dort mit Berlinale-Stammgästen zusammen, italienischen Filmkritikern vor allem. „Auf einer Serviette haben wir damals notiert, wie wir uns die Filmgala denken“, erinnert er sich. Die ersten zwei Ausgaben der „Nacht der Sterne“ wurden im Restaurant gefeiert, das aber fast aus den Nähten platzte. Jährlich werden immer noch die Listen mit Ballkartenwünschen länger – dass die „Notte delle Stelle“ eine Art deutsch-italienisches Familienfest ist, hat sich herumgesprochen.

Familiensinn ist überhaupt eine der wichtigsten Eigenschaften des Chefs: Er hat seinen Sohn Alessandro geholfen beim Aufbau des Restaurants „Bocca di Bacco“ in der Friedrichstraße, das heute bei Stars wie Pierce Brosnan und Matt Damon bei einem Berlin-Besuch auf dem Pflichtprogramm steht; Jessica, der weibliche Ableger der erfolgreichen deutsch-italienischen Familiengründung, führt die Geschäfte am Lido di Camaiore in der Toskana. Dort steht das familieneigene Hotel, in dem Mannozzi seit 1975 sein Heimweh nach der Toskana stillt. Es heißt, natürlich, Bacco.

Als engagierter Brückenbauer zwischen Italien und Berlin hat Massimo Mannozzi schon vor Jahren das Bundesverdienstkreuz erhalten. Er trägt es mit Stolz: „Ich liebe Berlin“.

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