Berlin : Das Girlie aus dem Zirkuszelt

Wir laden Kinder in den Circus Sarrasani ein. Dort gehört Stephanie zu den Stars. Die zwölfjährige Amerikanerin ist Profi. Schon als Kleinkind stand sie in der Manege

Annette Kögel

Was ein echtes Zirkuskind ist, das jongliert auch gern mit der Sprache. Wie Stephanie, jüngste Artistin beim Circus Sarrasani. „Als ich das letzte Mal zu Hause in den Staaten war, habe ich meinen Cousin in North Carolina hinters Licht geführt.“ Da tat Stephanie so, als könne sie „kein Wort Amerikanisch mehr, weil ich hier in Europa alles vergessen habe“. Stattdessen kauderwelschte sie auf Deutsch. Nun, eine abendfüllende Veranstaltung wurde nicht gerade daraus, aber einen außergewöhnlichen Auftritt hatte sie trotzdem. Also unterhalten wir uns hier in der Arena doch besser auf Englisch? „Jaaa“, sagt die 12-Jährige lächelnd.

Dass der Tagesspiegel gemeinsam mit dem Circus Sarrasani und den Berliner Blue Band Hotels eine Benefizaktion startet und 500 Karten für bedürftige Kinder und Jugendliche vergibt, darüber freut sich auch Stephanie. „Das ist toll, wenn viele Kinder im Publikum sitzen.“ Sarrasani bietet nach sieben Jahren Berlin-Abstinenz wieder anspruchsvolles Varieté in seiner blitzeblanken, mit Teppich ausgelegten Entertainment-Arena.

Dort wirbelt auch Stephanie als menschlicher Spielball umher, durch die Luft jongliert von Vater Abelardo. Ikarische Spiele nennt man das in Zirkusdeutsch – benannt nach der griechischen Sagengestalt Ikarus, der das Fliegen lernen wollte. Die Fausto-Familie kommt kurz vor der Tigernummer von Zirkus-Chef André Sarrasani „als letzte Powernummer im Programm“, sagt Sarrasani-Sprecherin Michaela Gornickel. Hat Stephanie lange gebraucht, bis alles klappte? Nein, das gehe ganz schnell. „Aber am Anfang hatte ich ganz schön Angst. Da musste meine Mom dabei sein und mir Mut machen.“

Drei Jahre war Stephanie, als ihr das erste Mal „so kleine Tricks“ vor Publikum gelangen. Dann wurde es ernst. „Obwohl meine Eltern mich nie gedrängt haben, beim Zirkus einzusteigen. Mein Vater hat mir sogar ins Gewissen geredet und gefragt: Willst du wirklich so hart arbeiten?“ Ja, Stephanie wollte. „Mit fünf konnte ich meinen ersten Salto, mit sechs bin ich das erste Mal mit der ganzen Familie in Reno, Nevada, aufgetreten.“ Seitdem reist sie das ganze Jahr über zu Engagements überall in den USA, nach Kanada, am liebsten aber über den Atlantik.

„Ich habe mich total gefreut, nach Deutschland zu kommen. Europa gefällt mir einfach“, sagt die Jugendliche. Hier sind ihre Wurzeln, so empfindet sie das, denn geboren wurde sie in Zürich. „Meinen ersten Geburtstag habe ich aber schon in den USA gefeiert.“ Mit ihren Eltern – sie stammen von den Philippinen – und der dreijährigen Schwester Sherry lebte Stephanie lange in Las Vegas. Die ursprüngliche Heimat der Eltern kennt sie gar nicht. Dafür aber Berlin. „Ich habe schon ein paar Stadttouren unternommen und viel für Geschichte gelernt.“ Wie ist das überhaupt mit der Schule? „Ich bin in einer Correspondence-School in Florida“, erzählt Stephanie. Eine Art Fernschule also, gelernt wird da per Computer. Und wer kontrolliert die Hausarbeiten? „Mein Papa. Wir machen richtige Deals. Ich sage: okay, das lerne ich. Aber dann will ich dafür auch ein bisschen länger Fernsehen.“ Wenn die junge Artistin mal nicht in die Luft geht, spielt sie am liebsten Karten. „Aber keine Angst, wir zocken nicht um Geld“, versichert sie.

Der in Europa geborenen, in Deutschland auftretenden Amerikanerin mit philippinischer Familiengeschichte schmeckt italienisches Essen am besten. Und was hält sie von Berliner Spezialitäten, Currywurst zum Beispiel? „Eins hat mir mal super geschmeckt. Wie hieß das gleich? Ach ja: Döner Kebab.“

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