Berlin : Das gläserne Haus hat sich herausgeputzt

Für drei Millionen Euro wurden die Galéries Lafayette umgebaut Der Chef würde sein Kaufhaus auch gern am Sonntag öffnen

Lothar Heinke

Wenn es heute Nacht wird in der Friedrichstraße, flammen in den Galéries Lafayette alle Lichter auf und aus den Boxen der DJs wummern die Bässe: „La Nuit – die Shoppingparty“ soll den Kaufrausch der Kundschaft um vier Stunden bis Mitternacht verlängern. Versprochen werden Essen und Trinken „zu verführerischen Preisen“, Bars auf allen Etagen und Tanz zwischen Austern und Baguette in der Gourmetabteilung. Der musikalische Nacht-Kauf ist eine kleine Probe für Größeres: „Zur Fußball-Weltmeisterschaft öffnen wir täglich bis in die Nacht“, sagt Thierry Prévost, der 42-jährige Geschäftsleiter. Er ist sich dabei der Zustimmung des Betriebsrates sicher, denn „wenn alle mitmachen, sehen sie auch den Erfolg“.

Die heutige Shopping-Party ist denn wohl auch eine Art Finissage zur Umgestaltung des gläsernen Kaufhauses an der Ecke der Französischen Straße. Für drei Millionen Euro wurden monatelang Abteilungen um- und ausgebaut. „Galaxie“ über dem dritten Stock präsentiert sich in futuristischem Design und bietet auf 400 Quadratmetern junge Mode, leicht verspielt und etwas verrückt, ähnlich der von „Berlinomat“, wo junge Berliner Designer ihre Erfindungen anbieten und beim Vergleich mit ähnlichen Produkten made in France gut abschneiden. Neue Ideen, überraschende Präsentationen und schnelles Reagieren auf Trends hätten, sagt Vize-Chef Volker Sellnau, dazu geführt, dass das Haus mit seinen über 300 Beschäftigten schwarze Zahlen schreibt, „wir haben unsere Nische gefunden“.

Am beliebtesten bei den wöchentlich etwa 100 000 Besuchern sind die zahllosen Accessoires, die Parfümerie, die Gourmet-Etage und die französische Damenunterwäsche-Abteilung, in der die deutsche Kundin übrigens zumeist schwarz oder weiß bevorzugt, während Madame in Paris schon mal ins Pinkfarbene schlüpft. Übrigens sind 30 Prozent Touristen, an erster Stelle stehen die Russen, für sie liegt Paris an der Spree.

Schon vier Monate nach der Wende kamen die Franzosen und suchten einen Standort für ihr Kaufhaus, das Jean Nouvel so attraktiv in die Friedrichstraße gesetzt hat. Der Glaszylinder im Innern ist noch immer eine grande Attraktion, beachtliche Summen von Geldstücken landen auf dem Grund des Trichters, der bis in die Tiefgarage reicht. Die Münzen aus aller Welt summieren sich und kommen caritativen Zwecken zugute. Sie sind ein Zeichen, dass es den Leuten im Glashaus gefällt. Thierry Prévost, seit drei Jahren auf seinem Posten, sagt: „Es macht Spaß, mit meinem leidenschaftlichen Team zu arbeiten“. Und was wünscht sich der Berliner Monsieur Lafayette? „Auch sonntags verkaufen.“

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