Berlin : Das Glück des schwierigen Weges

Mit dem Schneidern von Puppenkleidern hat Olga Roh angefangen, Entwürfe malte sie auf die Tapete in ihrem russischen Elternhaus Später studierte sie Modedesign in London und eröffnete in Hongkong eine Fabrik. Jetzt startet sie ihren Store am Kurfürstendamm

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Neu am Kurfürstendamm. Designerin Olga Roh liebt die „klassische, unterkühlte Architektur“ Berlins, wie sie sagt. Jetzt startet sie hier ihren ersten deutschen Store. Foto: Davids/Darmer
Neu am Kurfürstendamm. Designerin Olga Roh liebt die „klassische, unterkühlte Architektur“ Berlins, wie sie sagt. Jetzt startet...Foto: DAVIDS

Immer wenn man glaubt, nun habe Olga Roh wirklich alles Wichtige aus ihrem Leben erzählt, kommt eine neue Überraschung. In einem kleinen Nebensatz erwähnt die russischstämmige Modedesignerin dann etwa, dass sie neben ihrem Master in Fashion-Design in London ja auch noch ihren Doktor in Vergleichender Literaturwissenschaft in der Schweiz gemacht habe – mit 26 Jahren und magna cum laude. Außerdem hat die 40-Jährige drei Kinder, Wohnsitze in London, Hongkong, Paris, Moskau und Zürich – und in Hongkong hat sie eine Fabrik aufgebaut. Sie spricht sieben Sprachen und nimmt zurzeit eine CD mit eigenen Liedern auf. Ach ja, ihren schwarzen Gürtel in Kung Fu und Karate macht sie auch gerade. Und an diesem Mittwoch eröffnet Roh auf dem Kurfürstendamm unter dem Namen „Rohmir“ ihren ersten eigenen deutschen Store.

Wie die schlanke Blondine mit den intelligenten, strahlenden Augen ihr Tagespensum schafft, mag vielen ein Rätsel sein. Zum Glück braucht sie höchstens fünf Stunden Schlaf pro Nacht. Außerdem ist ihr das In-Bewegung-Sein ein Grundbedürfnis. „Mein Vater hat immer gesagt: Um glücklich zu sein, musst du den schwierigen Weg wählen“, erzählt Roh, die aus einer altrussischen Adelsfamilie stammt: Einer ihrer Vorfahren war der letzte russische Gouverneur von Alaska, und ihr Urgroßvater soll das erste Auto in Moskau besessen haben.

Den Rat ihres Vaters hat sie ihr Leben lang beherzigt. Auch als sie in der Nacht des Mauerfalls am Checkpoint Charlie erstmals West-Berlin besuchte und Vertreter ihres Landes der damals 19-Jährigen deshalb untersagten, weiter in Leipzig Literatur zu studieren. Daraufhin floh sie im Kofferraum eines Autos nach Bern, jahrelang konnte sie ihre Heimat nicht mehr besuchen.

„Mein Leben ist ein buntes, vielfältiges Kaleidoskop. Anderen Menschen möchte ich gern ein bisschen von meiner Sonne schenken“, sagt Roh. Das spüren alle, die in ihrer Nähe sind: Sie begrüßt jeden Angestellten mit Namen, hat für jeden ein Lächeln und ein freundliches Wort. Ihren Schneiderinnen und Arbeitern in Hongkong garantiere sie gute Arbeitsbedingungen und einen weit überdurchschnittlichen Lohn, sagt sie.

Angefangen mit Mode hat Roh in Bern. Während ihrer Studien- und Promotionszeit arbeitete sie nicht nur als Uni-Dozentin, Modeverkäuferin und Flugbegleiterin, sondern auch als Model. Oft passten ihr und den anderen Models die Kleider nicht richtig, und so nähte Roh hier und da etwas um. „Ich habe alles von der Pike auf gelernt, ich kann natürlich heute noch jedes meiner Kleider selbst schneidern“, erzählt sie. Schon als kleines Mädchen habe sie begonnen, ihren Puppen Kleider zu nähen und riesige Entwürfe auf die Tapete ihres russischen Elternhauses zu malen.

Ihren Kleidern, die rund 300 bis 2000 Euro kosten, merkt man Rohs kosmopolitischen, in Kindheit und Jugend stark französisch geprägten Lebensstil an. Sie arbeitet viel mit hochwertiger Seide und Baby-Kaschmir. Die langen Abendkleider sind fließend, manche der kürzeren Modelle sind von den 20er Jahren inspiriert, und alle umschmeicheln die weibliche Silhouette. „Ich möchte den Körper nicht ausziehen, sondern die Frau sicherer machen“, sagt Roh.

Rund um die feierliche Eröffnung ihres Stores wohnt sie im Hotel Adlon und macht gern lange Spaziergänge durch Berlin. „Ich mag die klassische, unterkühlte Architektur der Stadt“, sagt Roh. Außerdem sei sie überzeugt, dass Berlin in spätestens zehn Jahren eine der großen Modemetropolen werde. Vielleicht hat die unermüdliche Designerin hier ja bald noch einen weiteren Wohnsitz. Abwegig scheint das bei ihr nicht.

„Rohmir“, Kurfürstendamm 197, Mo bis Fr 11–20 Uhr, Sa 11–18 Uhr

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