Berlin : Das Händchen des Kultursenators

Thomas Flierl verzichtet auf die Berufung von Michael Krausz zum Staatssekretär. Denn die Ermittlungen gegen den Hamburger dauern an

Ulrich Zawatka-Gerlach

Jetzt steht es fest: Der Hamburger Psychiatrieprofessor Michael Krausz kommt nicht als Wissenschafts-Staatssekretär nach Berlin. Denn ein Ermittlungsverfahren gegen den renommierten Sucht-Forscher – wegen des Verdachts der Vorteilsannahme – „wird nicht bis zum Jahresende abgeschlossen sein“. Das bestätigte die leitende Oberstaatsanwältin in Hamburg, Marion Zippel, gestern dem Tagesspiegel.

Sie begründete dies mit dem „relativ aufwändigen Ermittlungsverfahren“ und dem großen Arbeitsanfall in der zuständigen Abteilung der Staatsanwaltschaft. Dies sei bedauerlich, aber nicht zu ändern. Krausz steht nach wie vor im Verdacht, mit Pharmafirmen illegale Geschäftsbeziehungen unterhalten zu haben. Deshalb hat Flierl die Berufung zum Staatsekretär an die Bedingung geknüpft, dass die Ermittlungen bis Ende 2003 eingestellt werden. Nun steht er im Wort. Anfang Januar soll, voraussichtlich in einer gemeinsamen Pressekonferenz, der Verzicht des Wissenschaftlers auf den Führungsposten in Berlin verkündet werden.

Flierl, der im Weihnachtsurlaub ist, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Doch in PDS-Kreisen wurde bestätigt, dass es bereits „alternative Szenarien“ gebe, um den Personalnotstand in der Wissenschaftsverwaltung zu beheben. Vorschläge des Koalitionspartners SPD, beispielsweise den sozialdemokratischen Hochschulexperten Bert Flemming zum Staatssekretär zu machen, wurden allerdings dankend abgelehnt. Seit einem halben Jahr, nachdem Wissenschafts-Staatssekretär Peer Pasternack zurücktrat, führt der langjährige Abteilungsleiter Wolfgang Eckey die Geschäfte.

Dem Vernehmen nach sucht Flierl nun einen Amtsleiter für den Hochschul- und Wissenschaftsbereich, der nicht nur was im Kopf hat, sondern auch die Senatsbehörde im Griff. Das war bisher der stille Vorwurf des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit und anderer SPD-Politiker an Flierl, sich Führungspersonal ohne „ein Händchen“ für die Verwaltung auszusuchen. Pasternack war so einer, aber auch die frühere Kultur-Staatssekretärin Christa Tebbe hatte andere Vorlieben. Deren Nachfolgerin Barbara Kisseler, die vorher in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen auf kommunaler und Landesebene Kulturpolitik machte, ist zupackender. Da nickt auch Wowereit zufrieden.

In die Personalpolitik der Senatoren mischt er sich zwar nicht direkt ein, will aber gefragt werden und tut seine Meinung kund. Den Hamburger Krausz hält er, wie andere SPD- und PDS-Spitzenpolitiker auch, trotz des Ermittlungsverfahrens für integer. Aber nun für politisch verbrannt. In Berlin wird der Institutsleiter am Uni-Krankenhaus Eppendorf als Opfer einer Intrige gesehen, bei der die Hamburger Grünen mitgemischt haben. „Wenn ein zwei Jahre alter, anonymer Brief ausreicht, um ein Ermittlungsverfahren einzuleiten und eine dauerhafte Rufschädigung zu erreichen, ist was faul“, schimpfen PDS-Leute. Krausz hat wirklich Pech gehabt. Als Flierl 2001 Senator wurde, wollte er den Mann aus Hamburg schon zum Staatssekretär machen. Der hatte damals, unter Hinweis auf berufliche Verpflichtungen, abgewinkt.

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