Berlin : Das Haus ist der Star

Am Sonntag wurde der Pei-Anbau des Deutschen Historischen Museums fürs Publikum geöffnet. Es kam in Scharen, staunte – und prüfte selbst Wände und Böden gründlich

Mandy Schielke

Es war gerade 12 Uhr mittags, da hatten schon rund 1000 Besucher die träge Drehtür am Eingang passiert. Und offenbar bereuten die wenigsten den Museumsausflug an diesem heißen Sommertag. Blättert man durch die Gästebücher, die auf allen drei Ebenen des Pei-Baus ausliegen, stößt man immer wieder auf dieselben Worte: „hervorragend“, „großartig“ oder „wunderbar“.

Gestern um zehn öffnete das architektonische Schmuckstück des berühmten Architekten Ieoh Ming Pei seine Tore für die Öffentlichkeit – und sie folgte der Einladung in Scharen. Den Berlinern gefällt ihr neues Bauwerk offenbar: „Pei hat hier etwas Neues hingesetzt und dabei keinen Raum weggenommen. Der Blick ist durch die vielen Glasfronten in jede Richtung hin offen“, schwärmte Anita Hess aus Charlottenburg.

Die Mehrzahl der Besucher hielt sich in der sonnendurchfluteten Halle auf, die trotz der sommerlichen Temperaturen angenehm kühl blieb: „Das Bauwerk selbst ist hier die Kunst“, sagte Gerd-Jürgen Zisowsky, der selbst Architekt ist und extra aus Wiesbaden angereist war. Die Ausstellung „Idee Europa“ im Anbau des Deutschen Historischen Museums, die sich der Geschichte des Kontinents widmet, stand da für ihn wie für die meisten Besucher eher im Hintergrund.

Die Gäste drehten ihre Köpfe staunend in alle Richtungen, manche zeichneten in der Luft die verschiedenen Linien und Ebenen nach. „Mich beeindruckt, dass man an jeder Ecke die Halle anders wahrnimmt“, sagte die Studentin Nadja Bernsdorf. Jedoch interessierte das Publikum offenbar auch, ob der neue Museumsbau, der mit Steuergeldern finanziert wurde, auch wirklich solide gebaut ist: In den Ecken klopfte ein junges Paar den Sandstein auf seine Festigkeit ab. Der Fußboden wurde durch kräftiges Stampfen von einem Herrn in einem hellen Sommeranzug getestet.

Während die Besucher auf den ersten zwei Ebenen Exponate aus der Sammlung des Deutschen Historischen Museums und aus ganz Europa erwarten, ist das oberste Stockwerk dem Architekten selbst gewidmet. Die Etappen seines Schaffens werden auf Fotografien kleinteilig dokumentiert. An der Kaffeebar nebenan schenkten junge Mädchen mit Schildmützen Kaffee der „San Francisco Coffee Company“ aus. Nicht alle setzten sich zum Kaffeetrinken hin oder ließen sich in die kühlen Ledersofas neben der Kaffeebar sinken. Manche wandelten mit ihrem Pappbecher einfach weiter. Vorbei an den Fotografien, vorbei an den Bildern der Museumsbauten, die Architekt Pei bereits entworfen hat. In China, den USA und Japan.

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