Berlin : Das Hotel zur Bleiche und die Tradition

Friedrich II. förderte die Ansiedlung der Leineweber am Ort des heutigen Spitzenhotels.

Grimmiger Gast. Eine Büste von Friedrich II. steht auch im Garten des Hotels zur Bleiche in Burg. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Grimmiger Gast. Eine Büste von Friedrich II. steht auch im Garten des Hotels zur Bleiche in Burg. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Das waren noch Anzeigentexte: „Touristen- und Radfahrer-Station. Rendezvous für In- und Ausländer. Küche und Keller stets bestens versorgt. English spoken.“ So warb 1930 der in Burg ansässige „Gasthof zur Bleiche“ in Berliner Tageszeitungen um Gäste. Sogar der Hinweis „Erbaut von Friedrich dem Großen“ fehlte nicht. Mehr als 80 Jahre später finden Ausflügler dort nach wie vor ein gastfreundliches Haus, das dank seiner preisgekrönten Gastronomie und seines Wellnessbereichs zur Spitzengruppe der Brandenburger Hotellerie gehört. Doch gerade die aus etwas größerer Entfernung angereisten Gäste wissen mitunter nichts mit dem Begriff „Bleiche“ und der Rolle des Königs im Spreewald anzufangen.

Ein Gemäldezyklus illustriert die Praxis des Bleichens. Darauf wässern Frauen mit Gießkannen die auf den Wiesen ausgelegten Stoffbahnen, um sie von der Sonne bleichen zu lassen. Oft blieben die Gießkannen aber im Schuppen. Der Tau, der durch die vielen Spreearme besonders reich ausfällt, brachte genügend Feuchtigkeit. Die Stoffe stammten von der benachbarten „Leineweberfabrique“. Aus dem in der Gegend gut gedeihenden Flachs produzierten vor allem im nahen Sachsen angeworbene Siedler Stoffe.

Friedrich II. unterstützte dieses Handwerk, schon, um seine vielen Soldaten preisgünstig ausstaffieren zu lassen. 1750 erfolgte die Grundsteinlegung der Fabrik an der Stelle des heutigen Hotels. Gebleicht wurde hier aber erst ab 1766, nachdem ein neuer Besitzer die „Unsinnigkeit des Transports unfertiger Textilien nach Berlin“ beendete. Allerdings endete die glorreiche Zeit der Handweber schon Mitte des 19. Jahrhunderts. Industrielle Textilfabriken in Cottbus, Forst oder Guben produzierten effektiver und vor allem in größeren Stückzahlen.

An alte Zeiten erinnern Straßen und ein Hotel, die den Leineweber im Namen führen. Das Haus auf dem Grundstück des heutigen Hotels Zur Bleiche empfing 1850 die ersten Gäste, für die es sogar Zimmer im japanischen Stil gab. Zu DDR-Zeiten diente das Gebäude als Ferienheim des Gewerkschaftsbundes, ehe es Michael Clausing 1992 aus dem Treuhandvermögen kaufte. Eine Änderung des Namens stand nie zur Debatte. Ste.

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