• „Das ICC ist weltweit ein Symbol“ Ex-Marketingchef der Berliner Messe kritisiert die Abrisspläne des Senats und macht eigene Vorschläge

Berlin : „Das ICC ist weltweit ein Symbol“ Ex-Marketingchef der Berliner Messe kritisiert die Abrisspläne des Senats und macht eigene Vorschläge

Ulrich Zawatka-Gerlach

Der frühere Marketing-Chef der Messe Berlin, Frank Seifert, glaubt nicht, dass ein neues Kongresszentrum für 63 Millionen Euro zu haben ist. „Wenn es die räumlichen Kapazitäten des ICC haben soll, reichen wahrscheinlich nicht einmal 163 Millionen Euro aus“, sagte er dem Tagesspiegel. Er hält es auch für „völlig absurd“, den Neubau auf das Grundstück der Deutschlandhalle zu setzen. Es müsse mitten in der Stadt stehen, wo Hotels, Restaurants und attraktive Läden zu Fuß erreichbar seien. Wie in Paris. „Der beste Standort wäre der Schloßplatz.“

Der Experte kritisierte damit ein Konzept, das der Senat für die landeseigene Messe GmbH vorbereitet: Das sanierungsbedürftige und im Betrieb teure Internationale Congress Centrum (ICC) soll durch einen Neubau ersetzt werden. Seifert berät seit 20 Jahren Messe-Standorte in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Großbritannien, und er leitete von 1976 bis 1986 die Marketingabteilung der Berliner Messe und des ICC. Die aktuelle Diskussion verfolgt er „mit großem Unbehagen“. Abgesehen davon, dass das ICC seine Funktionalität und Attraktivität für Kongressveranstalter aus aller Welt seit über 25 Jahren unter Beweis gestellt habe, sei es auch zu einem Symbol für Berlin geworden, „das man nicht ohne weiteres abreißt“. Zwar will der Senat Anfang 2006 eine Nachnutzung des ICC durch private Investoren ausschreiben, aber koalitionsintern und in den Reihen der Opposition hält diesen Plan niemand für erfolgversprechend. Dann müsste das traditionsreiche Gebäude beseitigt werden.

Der Senat schätzt die Abrisskosten auf 30 Millionen Euro. Seifert plädiert stattdessen dafür, das ICC bei laufendem Betrieb zu sanieren und umzubauen und weiter als Kongresszentrum zu nutzen. „Das ist zwar nicht einfach und für die Veranstalter unbequem, aber es ist möglich.“ Ein Neubau sei dann verzichtbar.

Der Fachmann, Chef der Firma „Congress-& Messe-Marketing International“, hält es für ein schweres Versäumnis, dass in den vergangenen Jahren zu wenig Geld in das ICC investiert worden sei. So habe sich ein großer Sanierungs- und Modernisierungsbedarf aufgestaut. Trotzdem hält Seifert die Kostenschätzungen des Senats (Sanierung: 146 Millionen Euro; Umbau: 70 Millionen Euro) für überzogen. Andererseits seien die Kosten für einen Neubau zu niedrig angesetzt. „63 Millionen Euro sind reines Wunschdenken, das ist nicht seriös.“ Der avisierte Standort auf dem Grundstück der Deutschlandhalle liege denkbar ungünstig: Fern jeder Infrastruktur, auch die Verkehrsanbindung sei nicht optimal. „Wenn dort doch ein neues Kongresszentrum entstünde, würden viele Veranstalter gezwungen sein, mit zusätzlichen Kosten Transfers zu organisieren.“

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