Berlin : Das indische Abendmahl

Am Sonntag ist wieder Museumstag. In Berlin beteiligen sich aber nur wenige Häuser daran

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Es sind einprägsame, oft komische Szenen, die die indische Schriftstellerin Meera Nair in ihrem Debütband „Video“ schildert: Ein konservativer Muslim, der eine Pornokassette in die Hand bekommt und dadurch völlig aus dem Tritt kommt, ein katholisches Dorf, das sich über erotische Sandskulpturen erregt, eine Dorftoilette, die eigens zum Besuch Präsident Clintons errichtet wurde und vom entfesselten Mob verwüstet wird. Die Erzählung „Der Currybrotbaum“ zeigt einen Exilinder in den USA, der sich sein Land über die vielfältigen Gewürze in Erinnerung holt – sehr zum Ärger seiner jungen Frau, die amerikanisches Fast Food vorzieht.

Gelegenheit, die Vielfalt des Landes zu entdecken, gibt der Internationale Museumstag, der am Sonntag zum 25. Mal stattfindet: Das Indische Museum in Dahlem lädt zu Führungen, Vorträgen und einem Konzert und beschließt den Tag um 17 Uhr mit einer Lesung von Meera Nair (in englischer Sprache). Danach kann man sich um 18 Uhr im Museumscafé „eßkultur“ ein indisches VierGänge-Menü servieren lassen, an dem auch die Autorin teilnehmen wird (Preis: 26 Euro, Anmeldung unter 68089344).

Das Indische Museum ist eines der wenigen Museen in Berlin, die sich am internationalen Museumstag beteiligt. Der vom Internationalen Museumsrat organisierte Tag steht in diesem Jahr unter dem Motto „Museen haben Freunde“. Um solche zu gewinnen, tun die Berliner Museen in diesem Jahr allerdings nicht viel. Einzig der treue Kaiser-Friedrich-Museums-Verein lädt um 11 Uhr zu einer Gesprächsrunde in die Gemäldegalerie. Zum Thema „Alte Kunst sucht neue Freunde! Welchen Stellenwert hat die ältere Kunst heute in Berlin?“ diskutieren unter anderen der Direktor der Gemäldegalerie Jan Kelch, der Kunsthistoriker Eberhard König und Karin von Welck, Generaldirektorin der Kulturstiftung der Länder. Es moderiert Eduard Beaucamp, ehemals Kunstredakteur der F.A.Z.

Das Museum Nikolaikirche bietet unter dem Titel „Wir schätzen ihre Schätze!“ von 14 bis 16 Uhr die Begutachtung privater Sammlungen an (Information unter 24724529), das Bröhan-Museum lädt anlässlich seiner Sonderausstellung „Mythos und Mondäne. Die Bilder Willy Jaeckels“ um 11.30 Uhr zu einer Matinee mit Chansons von Friedrich Hollaender: „Im Romanischen Café“. Es singt Heike Jonca, begleitet von Jürgen Beyer. Gleichzeitig gibt es diverse Publikationen zu 50 Prozent ermäßigt an der Museumskasse. til

Weiteres im Internet unter

www.museumstag.de

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