Berlin : Das Innenleben bleibt geheim

Der BND will am Montag verraten, wie seine 720 Millionen teure, neue Zentrale von außen aussehen soll

Matthias Oloew

Am Montag wird das Geheimnis gelüftet. Dann stellt der Bundesnachrichtendienst (BND) seinen geplanten Neubau an der Chausseestraße vor. Schon die bloßen Zahlen des preisgekrönten Entwurfs von Jan Kleihues sind beeindruckend: 180 mal 250 Meter wird der Neubau auf dem Gelände des ehemaligen Stadions der Weltjugend haben. Rund 2800 Räume sind auf 250000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche geplant – das ist fast viermal soviel wie im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus im Spreebogen, das die Bundestagsbibliothek beherbergt. Etwa 4000 BND-Mitarbeiter sollen im Jahr 2011 hier ihre Büros beziehen.

„Die reinen Baukosten sind bei 720 Millionen Euro gedeckelt“, sagte der Sprecher der Bundesbaudirektion, Andreas Kübler, dem Tagesspiegel und dementierte Berichte, das Projekt werde 1,4 bis 1,7 Milliarden Euro teuer werden. „Diese Summe kommt zustande, wenn man sämtliche Kosten berücksichtigt“, sagte Kübler weiter und zählte auf: die Erstausstattung des Neubaus mit Möbeln und Computern, der Umzug, Wochenend-Heimreisen für Mitarbeiter über zwei Jahre sowie Vorruhestandsregelungen für nicht nach Berlin ziehende Mitarbeiter.

Dennoch ist der BND-Neubau das teuerste Einzelprojekt des Bundes in Berlin. Zum Vergleich: Die gesamte Sanierung und der Ausbau der fünf Museen auf der Museumsinsel kostet geschätzt 1,5 Milliarden Euro. Kalkuliert man mit den Gesamt-Umzugskosten, ist der BND das teuerste Einzelbauprojekt seit dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland. Den lukrativen Auftrag dafür wird Jan Kleihues erhalten, Sohn des 2004 verstorben Josef Paul Kleihues. Jan Kleihues entwarf ein großes, zusammenhängendes Gebäude, das mit einer Traufhöhe von 35 Metern deutlich niedriger bleibt als erlaubt. Als stadtverträglich hatten die Vorgaben an dieser Stelle eine Höhe von bis zu 47 Metern festgelegt.

Seine beiden Torhäuser, die den Haupteingang an der Chausseestraße flankieren werden, bleiben sogar unter der Berliner Traufhöhe von 22 Metern. Sie sind die einzigen Teile des Gebäudes, die bis an die Straße heranreichen. Der massige Bau wird ansonsten 40 Meter von der Chausseestraße entfernt stehen. Eine Ladenzeile, wie zunächst vorgesehen, wird es nicht mehr geben. Nur ein BND-Souvenirshop ist vorgesehen – der einzige öffentliche Teil des Gebäudes. Geplant ist stattdessen, zwischen der Straße und der Fassade eine Grünfläche anzulegen, auf der vor allem Kiefern gepflanzt werden sollen.

Damit ist der Entwurf weit entfernt von einer früheren Machbarkeitsstudie des BND zur Frage, wie der gewaltige Komplex auf dem zehn Hektar großen Gelände des ehemaligen Stadions der Weltjugend unterzubringen wäre: Danach schraubt sich in der Mitte ein 47 Meter hoher Turm in den Himmel, um den als Schutz 27 Meter hohe Gebäude gruppiert sind. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete am Sonnabend sogar von Gebäuden, die kein einziges Fenster zur Straße haben werden. Mit dem Kleihues-Entwurf sind diese Pläne vom Tisch.

Das Votum für Kleihues war einstimmig. In der Jury, die im Dezember entschied, saßen neben BND-Präsident August Hanning auch Senatsbaudirektor Hans Stimmann und der Präsident der Bundesbaudirektion, Florian Mausbach. Sie lobten vor allem den inneren Aufbau, die Erschließung sowie die Organisation und Zuordnung der Räume. Die Fassadengestaltung wird am Montag vorgestellt, nicht jedoch die Details des Grundrisses: Sie bleiben Verschlusssache.

Jan Kleihues unterstreicht die Notwendigkeit des Umzugs: „Die Gebäude in Pullach sind in einem schlechten Zustand, die nicht mehr den heutigen Anforderungen des Nutzers gerecht werden.“ Es ist ein Umzug, gegen den sich vor allem die CSU und einige Parlamentarier der Grünen wehren. Denn mit den BND-Mitarbeitern zieht auch eine spürbare Kaufkraft aus der Umgebung von München nach Berlin.

Eine Ausstellung der Entwürfe wird am 8. Februar um 18 Uhr in der Bundesbaudirektion eröffnet. Die Ausstellung ist dann bis zum 4. März montags bis donnerstags von 10 bis 17 und freitags von 10 bis 15 Uhr in der Fasanenstraße 87 in Charlottenburg zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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