Berlin : „Das ist ein Gewinn an Lebensqualität“

Daniel Kluge fühlt sich auf seinem Fahrrad wie befreit. Seit die Parkraumbewirtschaftung rund um den Arkonaplatz gilt, müsse er sich nicht mehr zwischen den dicht stehenden Autos zu seinem Hauseingang zwängen. „Für mich ist das ein deutlicher Gewinn an Lebensqualität“, sagt der 39 Jahre alte Politikwissenschaftler, der die Knöpfe seines Hemdkragens offen lässt. Als Student in Göttingen demonstrierte er einst gegen die Atommülltransporte nach Gorleben. Dass so einer für Parkzonen ist, verwundert nicht. Zumal Kluge für einen Verkehrsclub arbeitet, der zum Aktionsbündnis „Besser Parken in Mitte“ gehört.

Ein radikaler Autohasser ist Kluge nicht. Wenn er einen Wagen benötige, leihe er sich einen. Und deshalb wisse er aus eigener Erfahrung, dass die Parkraumbewirtschaftung nicht zuletzt den Autofahrern im Kiez nütze. Die Suche nach einem Stellplatz sei jetzt in der Rosenthaler Vorstadt kein Problem mehr – im Gegensatz zu früher. „Und das für einen läppischen Betrag“, sagt Kluge. Auch für das sozialpolitische Argument der Parkzonengegner zeigt Daniel Kluge wenig Verständnis. Wer sich ein Auto leisten könne, verschmerze die 10,20 Euro im Jahr für einen Parkausweis locker. Allein das Antragsverfahren für zeitlich befristete Besucherkarten hält Kluge ebenfalls für umständlich.

Kluge macht sich Sorgen. Darüber, dass sich vor allem die mit den Parkzonen zufriedenen Kiezbewohner nicht zur Abstimmung aufraffen könnten. „Die meisten nehmen die Situation inzwischen als selbstverständlich hin.“ Besonders ärgert ihn deshalb, dass die vom Bezirksamt vor ein paar verschickte Information an die Wahlberechtigten nur die Argumente der Gegenseite enthalten habe. Und das nur, weil sich die SPD, Linke und Grüne in der Bezirksverordnetenversammlung nicht auf einen gemeinsamen Text hätten einigen können.

Die Kampagne der Parkraumgegner missfällt Kluge. Weil sie eine aufgeheizte Stimmung gegen „die da oben“ schüre. „Die Bezirkspolitiker sind immerhin vom Volk gewählte Vertreter, die sich um komplexe Dinge kümmern müssen.“ Verkehrspolitik zum Beispiel. Und da sei die Parkraumbewirtschaftung nur ein Baustein, über den sich schwerlich gesondert entscheiden lasse. wek

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar