Berlin : „Das ist weder gut so noch schlecht“

Friedbert Pflüger besucht die Schwulen-Szene

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Friedbert Pflüger besucht die SchwulenSzene

Der Gedanke lag nah: Friedbert Pflüger besucht das Schwulen-Beratungszentrum Mann-O-Meter und trifft sich danach mit Vertretern diverser Homosexuellen-Vereine. Will er dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit auf dessen Terrain Konkurrenz machen? Pflüger stritt das nicht ab, als er am Samstagabend von Mann-O-Meter am Nollendorfplatz zum schicken Restaurant „More“ in der Motzstraße ging, und er sagte es noch ein paar Mal im Lauf des Abends: Er sei nun mal „hetero“, das sei – Abwandlung eines Wowereit-Erfolgswortes – weder gut so noch schlecht. Er wolle aber nicht, dass Homosexuelle meinten, ihre Interessen seien nur bei Wowereit gut aufgehoben.

Der CDU-Spitzenkandidat war wohl selbst überrascht von dem gar nicht so üblen Ruf, den die CDU in der Homosexuellen-Szene hat. Das liegt, so viel hatte er schon bei Mann-O-Meter von Vorstand Rudolf Hampel erfahren, an der früheren Bundesgesundheitsministerin Rita Süssmuth und dem Berliner Ex-Gesundheitssenator Ulf Fink. Beide haben sich in den frühen achtziger Jahren in einer Weise um die Aids-Prävention bemüht, die der Szene im Gedächtnis geblieben ist.

Aids, Diskriminierung, Gewalt gegen Schwule – Pflüger sprach an, was zu den Begleiterscheinungen schwulen Lebens in Berlin gehört. Von 180 Überfällen auf Schwule berichtete der Mann-O-Meter-Berater Bastian Finke. Diskriminierung ist offenbar für viele Schwule eine Frage des Aufenthaltsortes. Allerdings versicherten Jan Kayser vom CDU-Arbeitskreis Lesben und Schwulen und Pflügers Mitarbeiter Sascha Steuer, dass ihnen in der eigenen Partei niemand wegen ihrer Homosexualität das Leben schwer mache. Pflüger meinte, darauf könne die Berliner CDU stolz sein: dass sie als einziger Landesverband einen solchen Arbeitskreis habe. Davon abgesehen, wollte es Pflüger mit der Öffnung der Partei für homosexuelle Themen nicht übertreiben: Er sei für Anerkennung der Lebenspartnerschaften, aber gegen ein Adoptionsrecht für Homosexuelle, sagte er. Auch die Spielarten der Homosexualität, die mit Leder und Latex zu tun haben, waren ihm nicht wirklich sympathisch. Anders als Klaus Wowereit würde er kein Grußwort für das einschlägige Folsom-Straßenfest schreiben, sagte er. Wowereits Offenheit für die Folsom-Messe war in der Community gut angekommen. wvb.

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