Berlin : „Das Jagdschloss bekommt seinen Glanz zurück“

Nach dem Brand in Glienicke sind die Denkmalschützer zuversichtlich – die Feuerwehr streitet mit dem Senat über Sicherheitsmängel

Christoph Stollowsky

Der Brand im Dachstuhl des Jagdschlosses Glienicke hat keine unwiederbringlichen historischen Bauteile zerstört. Das stellten Experten des Landesamtes für Denkmalschutz Dienstagfrüh fest. „Wir hatten Glück im Unglück“, sagt Behördenchef Jörg Haspel. „Beide Dachgiebel aus der Neorenaissance müssen zwar gestützt werden, aber sie sind erhalten.“ Gleiches gelte für die gemauerten Fenstergiebel. Haspel: „Das Schloss bekommt seinen Glanz zurück.“

Warum das Feuer ausbrach, war gestern noch unklar. Wie berichtet, wäre die Gefahr aus Feuerwehrsicht früher erkannt worden, hätte es in dem als Bildungsstätte genutzten Gebäude Brandmelder gegeben. Laut Feuerwehr wurden diese 1994 der Schlossverwaltung empfohlen, aber nicht angeschafft.

Mehr als 18 Stunden lang kämpften 120 Feuerwehrleute gegen die Flammen im Dach des 1683 errichteten und als Weltkulturerbe von der Unesco eingetragenen Schlosses. Dabei konnten sie ein Übergreifen des Brandes auf den Turm verhindern. Erst am Dienstag wurde die letzte Glut gelöscht.

Der Wiederaufbau des Dachgestühls und der von Rauch und Löschwasser stark geschädigten oberen Etagen wird vermutlich viele Millionen kosten. Schon jetzt steht fest, dass alle Schafräume für mehr als hundert Gäste sowie die Küche der vom Land Berlin betriebenen Internationalen Begegnungsstätte längere Zeit unbenutzbar sein werden. „Bis dahin können wir nur Tagesseminare anbieten“, sagte gestern der Sprecher der zuständigen Senatsjugendverwaltung, Thomas John.

Nach seinen Worten wurden im Schloss „alle Brandschutzbestimmungen exakt eingehalten“. John: „Es gab regelmäßig Brandsicherheitsbegehungen mit der Bauaufsicht.“ Berlins Branddirektor Albrecht Broemme hatte dagegen während der Löscharbeiten erklärt, bei den Sicherheitsvorkehrungen habe es gravierende Mängel gegeben. So waren Feuerwehrzufahrten zwar beschildert, aber teils versperrt. Hydranten lieferten keinen ausreichenden Wasserdruck und die Ansaugpumpe eines Löschteiches fiel aus. Wieso es dazu kam, war gestern noch ungeklärt.

Zugleich hatte Broemme im Gebäude elektronische Brandmelder vermisst, die ab einer bestimmte Rauchkonzentration laut heulen. In jedem Hotel- und Gaststättenneubau sind derartige Anlagen heute vorgeschrieben, doch im Jagdschloss Glienicke konnten die Behörden sie bisher nur empfehlen.

Das hängt mit der so genannten „Bestandsschutzregel“ der Bauordnung zusammen: Werden Gaststätten, Beherbungsbetriebe oder öffentliche Gebäude mit viel Publikum neu errichtet, erlassen Bauaufsicht und Feuerwehr eine ganze Reihe von Brandschutzauflagen und orientieren sich dabei am aktuellen Stand der Technik. Danach sind ihnen aber im gleichen Gebäude die Hände gebunden: Bei den im fünfjährigen Abstand vorgeschriebenen Brandschutzbegehungen können sie nur darauf achten, dass alle bisherigen Vorschriften eingehalten werden. Sie dürfen keine neuen erlassen. Das ist erst wieder bei einem späteren Umbau möglich. Den Eigentümern sollen dadurch unvorhersehbare Investitionen erspart bleiben. Auch bei historisch wertvollen Gebäuden macht der Gesetzgeber da keine Ausnahme.

Im Jagdschloss Glienicke hätte die schon 1994 empfohlene Brandmeldeanlage demnach freiwillig angebracht werden müssen. Denn Brandmelder sind erst seit rund fünfzehn Jahren erhältlich, die Bildungsstätte im Schloss wurde aber schon 1963 eröffnet - und seither gab es auch keine größeren Umbauten.

Bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten setzt man schon seit Jahren freiwillig auf entsprechende Vorbeugung: Alle 31 Schlösser der Stiftung sind mit Rauchmeldeanlagen ausgestattet. Und der gesamte vorbeugende Brandschutz für Sanssouci, so Baudirektor Alfons Schmidt, „wird zurzeit mit der Feuerwehr abgestimmt.“

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