Berlin : Das KaDeWe – eines für alle

100 Jahre Waren, Visionen und Drei-Sterne-Shopping. Wowereit schneidet heute die Geburtstagstorte an

Elisabeth Binder

Als das KaDeWe 1950 nach dem Krieg erstmals wieder öffnete, drängten sich 180 000 Berliner in der Tauentzienstraße. Nach den entbehrungsreichen Jahren der Bombennächte, nach der Blockade war die Sehnsucht danach, sich endlich wieder mit schönen Dingen zu umgeben und etwas Gutes zum Essen zu haben, unendlich groß.

Wenn am heutigen Donnerstag zwischen 11 und 13 Uhr Geburtstag gefeiert wird, dann werden es sicher nicht ganz so viele Gäste werden, so ausgehungert sind die Zeiten glücklicherweise nicht mehr. Die alte Anziehungskraft ist indes immer noch da und ganz neu aufgeladen. Mit 100 Jahren wieder jung und auf dem Weg in die Zukunft sein: Das KaDeWe bekommt diesen alten Traum heute als Geburtstagsgeschenk. Viel Bauerei war nötig und noch mehr Gedankenarbeit. Aber die steckt im größten Kaufhaus des Kontinents sowieso schon seit jeher in den Wänden. Das KaDeWe war der Zeit von Anfang an voraus. Als es gegründet wurde, lag es ziemlich weit draußen im Westen, und kaum jemand rechnete damit, dass es Erfolg haben könnte. Dann machte es als neue Attraktion die Gegend um den Wittenbergplatz aber rasch zu einem begehrten Ziel für die eleganten Bewohner der Stadtmitte. Später wurde der Wittenbergplatz ein Zentrum des freien Teils der Stadt und das KaDeWe der Ort, an dem man sich von den Ängsten des Kalten Krieges erholen konnte. „Shopping“, die verspielt vergnügliche Variante des Einkaufens, wurde hier lange zelebriert, bevor der Begriff Einzug in die deutsche Sprache hielt. Insofern stand das Haus auch schon vor der Zeit für einen bestimmten „Lifestyle“. Die Feinschmecker-Etage mit ihren exotischen Delikatessen war schon lange vor der Geburt des praktizierenden deutschen Gourmets eine Legende und ist danach noch gewachsen an der Akribie, mit der hiesige Hobbyköche Frankreichs Drei- Sterne-Stars nacheiferten.

Mit den hippen Einkaufsvierteln, die nach der Wende in der alten, neuen Stadtmitte entstanden, wuchsen die Herausforderungen weiter. Während alles noch über die wirtschaftliche Misere klagte, entstanden unter anderem ein Luxusboulevard und eine Kosmetik-Abteilung, die selbst sehr verwöhnte internationale Kunden rasch in einen Kaufrausch treiben.

Jetzt, da der wirtschaftliche Aufschwung endlich da ist, schnuppern auch die Einheimischen wieder besseren Gewissens an exotischen Parfüms oder trauen sich an extravagante junge Designermode heran. Das KaDeWe hat die Entwicklung der Stadt schon früher vorausgenommen, war oft schon ein Stück weiter als die Kunden, lieferte neben Waren auch Visionen. Auch das wird heute gefeiert, und alle KaDeWe-Fans sind dazu eingeladen. Über 1000 Flaschen KaDeWe-Prosecco sind schon kalt gestellt für die große Geburtstagsparty. Die gigantische Geburtstagstorte, an der schon seit Tagen gearbeitet wird, will der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit anschneiden.

Gratulationen sind aus aller Welt eingetrudelt. Die 97-jährige Ex-Berlinerin Kaethe Boehm schreibt aus Australien, wie sie 1927, also vor 50 Jahren, zum ersten Mal im KaDeWe eine neue Dimension des Vornehmen erlebte. Heute würde man das Haus eher elegant und hip, auf jeden Fall cool und luxuriös finden. 100 eben, und „younger than ever“.

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