Berlin : Das klickende Klassenzimmer

Am neuen Oberstufenzentrum Informations- und Medizintechnik erlernen 3000 Schüler Jobs mit Zukunft

Annette Kögel

Für einen Moment legten die Gäste den Kopf schräg und träumten: Wie weggeblasen waren alle Gedanken an Pisa-Studie, Arbeitsplatzabbau und andere Dramen. Mit indischem Tanz verzauberte die 18-jährige Yvonne Mariathas in folkloristischer Tracht das Publikum. Warum Indien? Weil der südasiatische Staat hierzulande für seine IT-Branche bekannt ist – und weil der Folkloretanz zur Eröffnungszeremonie einer neuen Berliner IT–Schule gehörte: Nach mehr als dreijähriger Umbauzeit wurde das Oberstufenzentrum Informations- und Medizintechnik (OSZ IMT) in Neukölln eröffnet. Zur Feier des Tages waren Bildungssenator Klaus Böger (SPD), IHK–Hauptgeschäftsführer Jan Eder und Wirtschaftsstaatssekretär Volkmar Strauch in die Haarlemer Straße 23-27 gekommen.

Er sei froh, erklärte Böger gut gelaunt, dass die Schule der Einladung ein Informationsblatt beigelegt habe, denn bei dem umfangreichen Angebot könne man glatt den Überblick verlieren. Da gibt es die Berufsfachschule für Technische Zeichner, die Ausbildung zum Technischen Assistenten für Technische Kommunikation, die Fachoberschule mit Schwerpunkt Elektrotechnik und vieles mehr (siehe Kasten). „Die Schule ist ein Flagschiff der Oberstufenzentren“, sagte Böger – nicht nur wegen eines deutschlandweit einzigartigen Ausbildungsgangs in Kooperation mit der Telekom, bei dem Schüler eine Berufsausbildung plus Abitur erwerben.

Dann überreichte der Senator 13 OSZ-Schülern, die die erste Hürde des bundesweiten Informatikwettbewerbs gemeistert haben, ein Geschenk und betonte, das vielfältige Angebot der Schule werde nur durch das Engagement vieler einzelner Kollegen ermöglicht. Es gab viel zu lachen bei der Feier, auch über den eigens umgedichteten A-Capella-Vers aus der Motette „Befiehl du deine Wege“, in dem es über einen gewissen Bildungssenator hieß, er sei „ein weiser Fürst mit wunderbarem Rat“. Böger hatte immerhin zu acht Millionen Euro aus Bundesmitteln verholfen, mit denen die Schule mit ihren 3000 Schülern und 160 Lehrern ausgebaut und von vier Standorten auf einen vereint werden konnte.

IHK-Chef Jan Eder dankte der „problemlösungsorientiert arbeitenden und nach vorne denkenden Schule“, mit der die vielen Wirtschaftsunternehmen gerne kooperierten. „Sie sind die Zukunft Berlins“, sagte er an die Schüler gewandt. Wirtschaftsstaatssekretär Strauch lud Schulleiter Hartmut Brösemann ein, beim Berliner Masterplan „E-Health und Telemedizin“ mitzuwirken.

Warme Worte also allenthalben – und doch blieben Wünsche offen. Böger etwa regte an, die Schule solle sich einen Namensgeber suchen. Der Schulleiter hofft auf noch mehr duale und vollschulische Ausbildungsgänge – und auf mehr Mädchen: In den Medizinberufen ist die Geschlechterqote ausgewogen, in den Informations-Ausbildungsgängen sind die Mädchen noch klar in der Minderzahl. Immerhin heben die Tänzerin Yvonne Mariathas und ihre Sangeskollegin Gülhan Elmas die Quote bei den künftigen „Assistenten für medizinische Gerätetechnik“ – und hätten gewiss auch bei „Deutschland sucht den Superstar“ Chancen.

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