Berlin : Das königliche Porzellan soll wieder glänzen

Trotz feierlichem Richtfest auf dem historischen KPM-Gelände: Die Zukunft der Porzellan-Manufaktur ist unsicher

Vivien Leue

Tiergarten. Zum Richtfest wurden fast alle dunklen Wolken am Horizont verdrängt. Die Sonne strahlte und die Festredner versuchten es ihr gleich zu tun. Denn trotz der schwierigen finanziellen Lage, in der sich die Königliche Porzellan Manufaktur (KPM) seit einigen Jahren befindet, gab es nun endlich mal wieder Anlass zur Freude: Vier historische Produktionshallen des KPM-Geländes zwischen Landwehrkanal und Spreebogen feierten nach erfolgreicher Sanierung und Restauration ihr Richtfest.

Anfang 2003 sollen alle Baumaßnahmen abgeschlossen sein. Sowohl die Verwaltung der KPM als auch deren Produktion sollen dann in die restaurierten Gebäude umziehen. „Die Zeiten sind heute sicherlich nicht die rosigsten“, so Hans Joachim Stoppe, Geschäftsführer der Gewerbe-Siedlungs-Gesellschaft (GSG), „aber wir haben dieses komplexe Projekt erfolgreich durchgestanden.“ Nachdem das Land Berlin der KPM 1998 den Geldhahn zudrehen musste, und auch der Verkauf von Grundstücken der Porzellan-Manufaktur nur kurzfristige Reserven mobilisieren konnte, übernahm die landeseigene GSG die maroden Produktionsstätten und verplichtete sich, sie zu restaurieren und modernisieren.

Riskant sei das Projekt, fürchteten damals Insider. Denn trotz einem hohen Investitionsvolumen von 40 bis 50 Millionen Mark, soll die GSG die neuen Produktionsstätten billig an die KPM verpachten. So will es das Land Berlin, Eigentümer der GSG. „Die Instandsetzung der historischen Gebäude geschah nicht zum Wohl der GSG, aber zum Wohle Berlins“, räumte denn auch Peter Strieder, Senator für Stadtentwicklung, ein. Denn das aus den geringen Mieteinnahmen jährlich erwachsende Defizit wird die GSG alleine tragen müssen. Auch die Investitionsbank Berlin (IBB), seit dem 1. Juli 2000 Eigentümer der KPM hat seit der Übernahme der Porzellan-Manufaktur mehrere Millionen Euro in das Unternehmen investieren müssen. Doch bis 2005 will IBB-Direktor Thomas Dankwart schwarze Zahlen schreiben. Dennoch: Ob die KPM das gesamte restaurierte Gelände auch benutzen wird, ist noch offen. Möglicherweise werden nur Teile der Büro- und Produktionsflächen von der Porzellan-Manufaktur in Anspruch genommen. Die unverputzten Ziegelbauten aus dem 19. Jahrhundert sind typische Alt-Berliner Industriegebäude und stehen seit 1994 unter Denkmalschutz. Sie liegen mitten in der historischen „Spreestadt Charlottenburg“, einem Industrieareal, auf dem sich Ende des 19. Jahrhunderts Siemens und KPM niederließen. Im frühen 20. Jahrhunderts siedelte sich ebenfalls Daimler Benz in dem Quartier an.

Die bis heute erhaltenen und nun restaurierten Gebäude der KPM (erbaut 1868 bis 1872) gehören zu den ältesten erhaltenen Gewerbebauten Berlins. In der historischen Ofenhalle soll nun die Verkaufsgalerie der KPM einziehen. Außerdem will das Unternehmen in der Halle eine Dauerausstellung zur Geschichte des Unternehmens zeigen,

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