Berlin : Das Kollhoff-Haus wird abgeklopft

Daimler-Chrysler lässt Fassadenteile prüfen und bessert Schönheitsfehler aus

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Vor den Häusern drängeln sich Fußgänger und Radler durch einen Wald aus Gerüstpfosten. Der Bus muss sich auf die Mittelspur fädeln, und von der gegenüberliegenden Straßenseite schauen Passanten skeptisch zu den Fassaden hinauf. Denn seit Wochen sind gleich mehrere der Gebäude am Potsdamer Platz von Schutzgerüsten umgeben. Darüber klopfen Bauleute auf Arbeitsbühnen die Fassaden ab. Gerüchte machten die Runde, dass Teile der Fassaden nicht festsitzen. Ein Wachmann will gar gehört haben, dass schon mal irgendwo ein kleines Teil abgefallen sei. Genaueres wisse er aber nicht, und in den Geschäften und Büros rund um die Arkaden am Potsdamer Platz hat auch niemand davon gehört.

Die Ende der 90er Jahre fertiggestellten Gebäude – einschließlich dem markant dunkelroten Kollhoff-Hochhaus – gehören Daimler-Chrysler. Konzernsprecherin Ute von Vellberg sagt, die Fassaden würden zurzeit geprüft. Und zwar rein vorsorglich und freiwillig; Zwischenfälle habe es nicht gegeben. Lediglich der Zahn der Zeit und insbesondere der vergangene kalte Winter hätten an den Fugen zwischen den großen Fassadenteilen – die Backsteinoptik des Kollhoff-Hauses besteht nicht aus Ziegeln, sondern aus großen Platten – genagt. Auch einige der goldenen Abschlusssteine seien blind gewesen und deshalb erneuert worden. Und an der spitzen Ecke, hinter der die Unternehmensberatung PWC residiert, würden ein paar trübe Glasscheiben gewechselt. Es gehe um Schönheitsreparaturen: „Wir legen großen Wert darauf, dass es gut aussieht“, sagt von Vellberg. Die Gerüste seien notwendig, damit kein Passant verletzt werde, wenn oben einem Handwerker der Hammer aus der Hand fällt. „Deshalb sehen solche Absperrungen immer etwas monumental aus.“

„Baulich ist alles topfit“, bestätigt der Manager der Potsdamer-Platz-Arkaden, auch Klagen von Mietern gebe es nicht. Der Bauaufsicht im Bezirksamt Mitte ist von Schäden an den Fassaden ebenfalls nichts bekannt. Nach Auskunft der Daimler-Chrysler-Sprecherin werden die Gerüste noch eine Zeit lang stehen bleiben – „aber vor Weihnachten sind wir damit durch“. Der Stangenwald solle rechtzeitig abgeräumt sein, um der Budenstadt auf dem Gehweg Platz zu machen. obs

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