Berlin : Das kreative Potential Berlins und ein Halleluja für die Szene

S.N.

Modemesse - das Wort hört sich piefig an. Dabei ist die Ave der Gegenentwurf zur arrivierten Piefigkeit. Dass da kein Missverständnis aufkommt: "Wir sind weder schräg, noch schrill, noch provokativ oder wie die Begriffe alle heißen", sagt Gabi Heimberg, Erfinderin der Ave. Wer sich aber einen Überblick über das kreative Potential der Berliner Modeszene verschaffen will, ist hier gut aufgehoben. Zudem ist der ganz normale Mensch angesprochen, der eine neue Winterjacke braucht. Die 29 handverlesenen Modelabels zeigen nicht nur, was sie haben, sondern verkaufen es auch.

Für die Auswahl der Mode ist Gabi Heimberg zuständig, für die Organisation ihr Bruder Kai. Die Idee war, eine für Studenten und Newcomer erschwingliche Messe zu organisieren. 150 Mark kostete beim ersten Mal die Gebühr für einen der selbstgebastelten Stände, vier Mark der Eintritt in der Osloer Fabrik in Wedding. Von Anfang an waren Labels dabei, die heute einen guten Namen haben: Respectmen, Nix, Thatchers, Nanna Kuckuck, Jörg Pfefferkorn, Eisdieler.

Nachdem über Jahre dieselben Aussteller vertreten waren und die Sache nach dem Umzug in die Treptower Arena gut funktionierte, fanden die Geschwister, es sei an der Zeit, in Klausur zu gehen und den Sinn der Veranstaltung zu überdenken. Die Pioniertage mit ihrem Chaos und ihrer Familiärität waren vorbei. Vielleicht war die Ave ja überhaupt ein Relikt aus den Achtzigern?

Von Seiten der Designer bestand allerdings weiter Interesse an diesem Forum, also erarbeiteten die Heimbergs ein neues Konzept. Nach zweijähriger Pause sind bei der elften Ave neben einigen alten viele neue, teilweise noch ganz unbekannte Namen vertreten. Die Schau, bei der 30 Models für 22 Labels laufen, wird mit zwei Blöcken à 30 Minuten straffer, neben Mode gibt es Stände mit Schmuck- und Möbeldesign, zwei Fotostände und einen Bücherstand. Am Sonnabend wird per Stimmzettel der Publikumsliebling ermittelt.

Dass die Ave jemals aalglatt wird, braucht niemand zu befürchten. Dazu ist die 7000 Quadratmeter große Arena zu schrammelig, sind die Modemacher zu szenig und die Veranstalter zu wenig kommerziell. Spass soll es vor allem machen - und das wird es aller Voraussicht nach auch.Sonnabend und Sonntag ab 18 Uhr, Arena Treptow, Eintritt 28 Mark.

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