Berlin : Das Kreuz mit dem Ostkreuz

Nach jahrelangen Planungen muss das Konzept erneut geändert werden – und das kann wieder viel Zeit kosten

Klaus Kurpjuweit

Jahrelang wurde der Umbau des maroden Ostkreuzes der Bahn geplant, Termine wurden genannt und dann wieder verschoben. Zuletzt sollte es mit den Arbeiten Ende des Jahres losgehen. Doch nun steht das 500-Millionen-Euro-Projekt erneut auf der Kippe. Obwohl so lange geplant wurde, muss das Konzept nach Tagesspiegel-Informationen erneut geändert werden. Während der Fahrgastverband IGEB befürchtet, dass dadurch die Planung völlig über den Haufen geworfen werden muss, heißt es in Bahnkreisen, es gebe keine Verzögerungen.

Umstritten ist die Planung für einen neuen Regionalbahnhof an der Ringbahn. Eine zweiteilige gläserne Halle sollte den neuen Bahnsteig für die Regionalzüge sowie den neuen, breiter werdenden Ringbahnsteig der S-Bahn in einer Länge von 132 Meter und einer Breite von 79 Meter bis zu 15 Meter hoch überspannen. Doch nun ist fraglich geworden, ob der Bahnsteig für die Regionalzüge überhaupt gebaut werden soll.

Das Eisenbahn-Bundesamt in Bonn, das zu dem laufenden Verfahren nichts sagen wollte, zweifelt nach Tagesspiegel-Informationen an der Notwendigkeit des Bahnhofs für den Regionalverkehr. Bisher haben weder Berlin noch Brandenburg auch nur eine Linie über Ostkreuz fest bestellt. Zuletzt fuhren dort nur die Bahnen der Regionalbahnlinie RB 36 (Lichtenberg – Königs Wusterhausen – Frankfurt (Oder) ohne Halt vorbei – im Stundentakt. Ohne feste Bestellung für einen dichten Verkehr sei der Aufwand für den Bahnhof aber nicht gerechtfertigt, argumentiert die Genehmigungsbehörde.

Auf dem Ring gibt es derzeit grundsätzlich keinen Regionalverkehr parallel zu den Gleisen der S-Bahn. Lediglich auf dem östlichen Ringabschnitt fuhren Züge zwischen Schöneweide und Lichtenberg am Ostkreuz vorbei. Diese Strecke war zu DDR-Zeiten noch eine wichtige Nord-Süd-Verbindung mit zahlreichen Zugverbindungen. Doch wenn wie geplant 2006 der Tunnel in der Stadtmitte eröffnet wird, leitet die Bahn die meisten Züge im Nord-Süd-Verkehr durch diese Röhren.

Falls der Regionalbahnsteig nicht gebaut wird, müssten die Baupläne des aufwändigen Umbaus geändert werden. Denn in der Bauphase sollen die S-Bahnen Richtung Frankfurter Allee an diesem Bahnsteig halten, damit daneben der neue für die S-Bahn errichtet werden kann. Für die S-Bahn müsste dann ein Behelfsbahnsteig gebaut werden, was nach Ansicht von Bahnkreisen problemlos möglich wäre. Die Gleise würden aber so gelegt, dass später der Bahnsteig und der zweite Teil der Halle bei Bedarf gebaut werden könnten.

Ein Verschieben der Arbeiten käme der Bahn nicht ungelegen. Durch den Ausfall bei den Mauteinnahmen auf den Autobahnen prüft der Vorstand ohnehin bei allen noch nicht begonnenen Bauprojekten, ob sie vertagt werden können. Und am Ostkreuz läge der Schwarze Peter bei den Ländern Berlin und Brandenburg, so lange diese keine festen Bestellzusagen für den Zugverkehr machen.

In der Stadtentwicklungsverwaltung gibt man sich noch optimistisch und erwartet, dass der Bahnsteig doch gebaut wird. Berlin wolle weiter eine Linie für den Regionalverkehr bestellen – aber erst, wenn das Baurecht vorliege.

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