Das "Küchenkabinett" des Herrn Müller : Der neue Regierende setzt auf alte Vertraute

Michael Müller besetzt die Plätze in der Staatskanzlei mit seinen engsten Vertrauten aus dem Stadtentwicklungsressort. Die CDU stichelt über das "Küchenkabinett". Inzwischen hat der Regierende Bürgermeister bereits genaue Vorstellungen zur Wahlkampfführung 2016.

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Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) wird im Roten Rathaus von einem Spalier von Schornsteinfegern begrüßt. Jetzt hat er einige alte Bekannte mit ins Haus geholt.
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) wird im Roten Rathaus von einem Spalier von Schornsteinfegern begrüßt....Foto: dpa

Eine seiner ersten Amtshandlungen sei die „Bestandsaufnahme“, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) noch im Dezember. Müller will von den Senatoren am Donnerstag auf der Klausur einen Bericht über frühere Aktivitäten und Pläne der Fachressorts bis zum Ende der Legislaturperiode. Der Regierende macht zurzeit auch in seinem Haus, der Senatskanzlei, eine „Bestandsaufnahme“. Müller will sich absichern: Er hat seine engsten Vertrauten beim Umzug vom Stadtentwicklungsressort in die Senatskanzlei mitgebracht. Führende Christdemokraten sticheln schon über das „Küchenkabinett des Herrn Müller“.

Die Umverteilung auf einen Blick

Senatssprecherin Daniela Augenstein war unter Müller Sprecherin der Berliner SPD und wechselte mit Übernahme des Senatorenamts 2011 als seine Sprecherin in die Stadtentwicklungsverwaltung. Mit Andreas Schwager nahm Müller seinen langjährigen Büroleiter mit ins Rote Rathaus. Schwager organisiert das Tagesgeschäft und spricht sich unter anderem mit Robert Drewnicki ab.

Von 1995 bis August 2013 arbeitete der SPD-Politiker Drewnicki bei der Werbeagentur Runze & Casper als Abteilungsleiter. Er ist Vorsitzender des SPD-Ortsverbands Neu-Westend und war schon in der Stadtentwicklungsverwaltung für Müller als Kommunikationsberater tätig.

Die CDU beobachtet das Innenleben des Roten Rathaus gespannt

In der Senatskanzlei ist Drewnicki im Bereich Politische Grundsatz- und Planungsangelegenheiten tätig. Die Leitung obliegt weiterhin Thomas Alexander Letz. Drewnicki ist auch Ansprechpartner für die Parteizentrale in der Müllerstraße. Er ist mit Daniela Fiedler, Abteilungsleiterin im Kurt-Schumacher Haus, verheiratet und hat einen engen Draht zu Landesgeschäftsführer Dennis Buchner. Diesen nannte Müller übrigens als vorrangigen Ansprechpartner in der Parteizentrale – und nicht den vom Landesvorstand berufenen Kampagnenmanager Björn Eggert, der ein enger Vertrauter von SPD-Parteichef Jan Stöß ist.

Michael Müller - ein Senator auf dem Weg nach ganz oben
Süßer Vogel Jugend. Zwischen 2004 (hier ein Foto von damals aus dem Abgeordnetenhaus) und heute hat Michael Müller politisch an Statur gewonnen - und ist auch äußerlich gereift, wie wir in unserer Fotostrecke zeigen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 13Foto: Mike Wolff
29.08.2014 13:28Süßer Vogel Jugend. Zwischen 2004 (hier ein Foto von damals aus dem Abgeordnetenhaus) und heute hat Michael Müller politisch an...

Müller stellte bereits detaillierte Forderungen für die Wahlkampfführung 2016 auf. So will er die Werbeagentur selbst aussuchen und sich ausreichende finanzielle Ressourcen für den Wahlkampf vom Landesverband verbindlich zusichern lassen. In der zweiten Jahreshälfte soll die Wahlkampagne ausgeschrieben werden. Darum kann sich auch ein weiterer Vertrauter von Müller bewerben: der langjährige Wahlkampfmanager der Bundes-SPD und SPD-Politiker Kajo Wasserhövel mit seiner Agentur „Elephantlogic, Agentur für Strategieberatung“.

Der SPD-Mann habe Müller „ehrenamtlich während des Mitgliederentscheids begleitet“, heißt es aus Müllers Umfeld. Wasserhövel selbst sagt, er habe Michael Müller „als Parteimitglied unterstützt“. Geschäftsbeziehungen bestehen demnach nicht.

In der CDU beobachtet man das Innenleben im Roten Rathaus gespannt. Müller könne sein Machtzentrum in der Senatskanzlei schon aufbauen. Man werde nur nicht „zuschauen, sollte Müller das Rathaus zur Wahlkampf-Kampa ausbauen“, sagte ein CDU-Spitzenmann. Statt mit seinen engen Vertrauten sollte Müller sich lieber mit seiner Partei absprechen. Die werde er sicher noch für den Wahlkampf brauchen.

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