Berlin : Das Lächeln nach dem Stirnguss Ausprobiert: der Shirodhara

Susanne Leimstoll

Als ich auf dem Rücken liege, wie aufgebahrt auf dem sri-lankischen Tisch aus dunklem Holz, umwabert von sri-lankischen Räucherstäbchen-Düften, umspült von sri-lankischer Musik, sagt Kerstin, die Masseurin, die keinesfalls aus Sri-Lanka, sondern aus Thüringen stammt: „Sie sin’ eher ein Kapha-Pitta-Typ. Die haben so schöne milchig-weiße Haut.“ Die Diagnose hört man gerne. Andererseits: Der Typ Pitta aus der ayurvedischen Lehre ist zielstrebig und leistungsbezogen, Kapha-Leute sind von eher starkem Knochenbau und neigen zur Körperfülle. Letzteres hat sie also messerscharf erkannt. Kerstin sagt, sie werde bei mir mit Sesam- und Mandelöl arbeiten. „Das passt für alle.“ Ich bekomme Shirodhara, einen ayurvedischen Stirnguss. Der soll ja entspannen.

Innere Ruhe, Harmonie und Losgelöstheit aktivieren einen Strom heilender Substanzen aus der inneren Apotheke…

So steht es im Prospekt der Surya Villa. Ich schließe die Augen. Angewärmte Baumwolltücher bedecken mich. Kerstin beginnt mit einer Gesichtsmassage. Ihre Finger streichen den Haaransatz entlang, von der Stirn hinauf zur Kopfmitte. Ich werde ruhig.

Sie lockert die Nackenmuskulatur, rollt meinen Kopf massierend nach links. Denn nach rechts. Ich lasse los.

Sie bündelt mein Haar und zieht langsam und mit voller Kraft am Schopf. Hoffentlich lässt sie bald los.

Vollkommenes Wohlbefinden und die Wahrnehmung der inneren Freude werden gefördert…

Kerstin bedeckt meine Augen. „Das ist Rosenwasser“, flüstert sie. Und jetzt: Etwas unvergleichlich Sanftes, Weiches, etwas Körperwarmes berührt meine Stirn über der Nasenwurzel, wandert den Haaransatz entlang nach links, pendelt nach rechts. Jetzt bloß nicht wegdämmern, ist das schön! Leise Musik, kein Lufthauch um mich, das warme Ding streichelt die Stirn. Und ich sinke weg.

Noch eine halbe Stunde später hört das Streicheln auf. Vollkommenes Wohlgefühl. Der Ölstrahl, der aus der Messingschale über meinem Gesicht an einem Faden entlang auf meine Stirn rann, ist fort. Kerstin hilft noch, meine durchtränkten Haare abzutrocknen und sagt: „Sie waren aber ein dankbares Objekt.“

Das Objekt sieht sein Gesicht im Spiegel. Das strahlt. Wo sind die Fältchen um den Mund und um die Augen geblieben? Weggespült – für einen Abend. Ich schwebe zum Auto, fettglänzend wie ein gerade eingecremtes Baby, ein Lächeln auf meinem Gesicht.

Ob sie das mit innerer Freude meinen?

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