Berlin : „Das Land wird den Flughafen wohl selbst bauen“

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Herr Müller, wird der Flughafen gebaut?

Auf jeden Fall. Die Situation ist misslich. Oberstes Ziel aber ist die Realisierung des Airports. Und die werden wir sicherstellen.

Wird auch die PDS mitmachen?

Das ist mit der PDS geklärt. Wir hatten eine harte Debatte in den Koalitionsverhandlungen darum, aber wir haben uns auf den Bau des Flughafens geeinigt. Und ich habe jetzt keine gegenteiligen Signale von der PDS.

Gehen Sie denn davon aus, dass die öffentliche Hand den Flughafen nun selbst baut?

Wenn bestätigt wird, dass die Verhandlungen mit den privaten Investoren gescheitert sind, dann wird es schwer werden, neue Investoren zu finden, die den Flughafen innerhalb des Zeitrahmens erstellen könnten. Da uns das Ziel Großflughafen aber so wichtig ist, gehe ich davon aus, dass wir den Bau dann selbst tragen.

Wie würde die Finanzierung aussehen?

Bis jetzt ging man von etwa 1,5 Milliarden Euro Baupreis aus. Es ist mit circa 50 Prozent Eigenkapital zu rechnen, also mit etwa 750 Millionen Euro. Aufgeteilt zwischen Berlin, Brandenburg und dem Bund hieße das etwa 250 Millionen Euro für Berlin. Keine Kleinigkeit, aber eine vertretbare Investition.

Ist die Investition auch angesichts von Kürzungen bei der Polizei oder den Kitas vertretbar?

Der Flughafen ist auch ein Projekt der langfristigen Wirtschaftsförderung und damit der Schaffung von Arbeitsplätzen. Man muss deshalb auch in Zeiten knapper Kassen gerade bei der Wirtschaftspolitik Schwerpunkte setzen.

Die schon entstandenen Kosten summieren sich auf etwa eine halbe Milliarde Euro. Muss die das Land nun tragen?

Die Kosten sind durch Vorbereitungen für den Bau entstanden, die in jedem Fall nötig sind. Das heißt die Kosten gehen in die Finanzierung des Flughafens ein. Wer auch immer den Flughafen baut.

Wird Tempelhof jetzt früher zugemacht, um Kosten zu sparen?

Wenn mittelfristig nicht zu erkennen ist, dass auch mit Tempelhof Geld zu verdienen ist, muss darüber nachgedacht werden. Jetzt sollten wir aber auf jeden Fall keine Zeit vertrödeln und die Planung schnell fortführen.

Das Gespräch führte Barbara Junge

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