Berlin : Das lange Warten auf die Uniform

Die Berliner Polizei hat ein veraltetes System der Bekleidungsbeschaffung. Der Senat erwägt, sich gemeinsam mit Brandenburg eine modernere Logistik anzuschaffen

Amélie Fidric

Zwölf Monate auf neue Anoraks warten – Bei der Berliner Polizei nichts ungewöhnliches. „Es ist schon passiert, dass aus Mangel die alten Anoraks von Kollegen verteilt wurden, die in den Ruhestand gegangen waren“, sagt Rolf Taßler, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft. Die Misere liegt zum Teil am in den letzten 10 Jahren zurückgeschraubte Budget - von 5,5 auf 2,5 Millionen Euro. Ein weiterer Grund ist, dass die Polizei als Behörde ihre Aufträge öffentlich ausschreiben muss: Dabei müssen gesetzliche Fristen eingehalten werden, und das braucht Zeit. Außerdem muss die Polizei zum Teil die Stoffe für ihre seit 1976 verwendeten Uniformen in den Farben Olivgrün-Senfgelb selbst bestellen und der Schneiderfirma übergeben. Aufgrund solcher Verzögerungen gelten Lieferfristen von einem halben Jahr als schnell.

Die Arbeitsbedingungen im 8000 Quadratmeter großen Kleidungslager des Landespolizeiverwaltungsamtes in Tempelhof machen es den etwa 30 Beschäftigten nicht leichter: Das Computersystem ist veraltet, meist wird noch mit Karteikarten gearbeitet. Die Lagerräume stammen aus der Zeit vor dem Logistik-Boom: Von Förderbändern keine Spur, die Mitarbeiter klettern Leitern hinauf, um an die Regale zu kommen. Die 23 000 Berliner Polizisten müssen einzeln kommen, um ihre alten Kleider umzutauschen: Erst vor Ort wird anhand der persönlichen Größenangaben geprüft, ob das benötigte Teil aus dem 1200 Artikel großen Sortiment in der gewünschten Anfertigung da ist - Erfolg nicht garantiert. Die langen Anfahrtswege kosten Geld und Zeit.

„Wir wissen, dass unsere Versorgung nicht mehr zeitgemäß ist“, sagt der Referatsleiter für Waffen, Bekleidung und Geschäftsbedarf, Peter Harnisch. Verschiedene Modelle für eine effizientere und kostengünstigere Uniformen-Beschaffung werden daher geprüft. Klar ist, dass allein die Umwandlung des Lagers in ein modernes Versandhaus sich „auf jeden Fall lohnen“ würde: Allein an Fahrtkosten ließe sich damit sparen. Ein derartiger Umbau würde allerdings zunächst einmal Kosten in Millionenhöhe verursachen. Günstiger wäre daher die Kooperation mit anderen Bundesländern.

Aus Brandenburg kam jetzt das Angebot des Innenministers Jörg Schönbohm, sich dem dortigen neuen Versorgungssystem anzuschließen. Mit dem „elektronischen Warenhaus“, wodurch die Polizisten ihre Kleider über ein Computersystem bestellen und zugeschickt bekommen, will die Brandenburger Polizei die Wartezeit für ihre Uniformen von bis zu 12 Monaten auf zwei Wochen verkürzen. „Das System ist so ausgelegt, dass wir Berlin mitversorgen könnten“, sagt Polizeisprecher Heiko Homburg. Ein Angebot, das gut ankommt. „Beide Seiten haben daran Interesse, Geld zu sparen“, sagt der Berliner Polizeisprecher Peter Fleischmann. „Intensive Gespräche laufen bereits.“

Eine andere Möglichkeit wäre die Zusammenarbeit mit der Polizei Niedersachsen: Seit September 2001 arbeitet das Logistik Zentrum Niedersachsen (LZN) in Hannoversch Münden wie ein Versandhandel und versorgt etwa 19 000 Beamte. Wie die Hamburger Polizei es bereits macht, könnte die Berliner Polizei das LZN als Dienstleister nutzen und dabei Lagerhaltung- und Arbeitskosten sparen. Niedersachsen zeigt, was Berlin vorschwebt: Uniformen per Katalog und Call-Center.

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