Berlin : Das Leben ist ein Drahtseilakt

Beim Gauklerfest können Sie staunen, probieren – und vielleicht sogar selbst Artist werden

Sven Schade

Sieben Clowns auf einmal. Einer ist schlauer als der andere – aber vermutlich insgesamt dümmer, als die Polizei erlaubt. Beim 24. Berliner Gauklerfest, das kommenden Freitag rund ums Opernpalais in Mitte beginnt, hat „Kustermanns Clown Septett“ seinen großen Auftritt, ebenso wie Drahtseilkünstlerin Lilli Chapeau, die einmal in der Stunde aus ihrer „Wanderbar“ mit selbst gebranntem Obstwein steigen wird, um vom Seil aus Geschichten zu erzählen.

„Wir Clowns in Berlin sind eine eingeschworene Gemeinschaft“, sagt der Amerikaner Paul Kustermann alias Willi. Ursprünglich hat er in den USA Physik und Theater studiert. Heute ist er der Leiter des Vereins „Clowns im Krankenhaus“. Paul Kustermann kennt so gut wie alle Harlekins und dummen Augusts der Stadt. Mit ihm sollte man es sich in zwei Fällen nicht verscherzen. Erstens wenn man für Geburtstagsparty oder Hochzeitsfeier einen Clown engagieren will. Oder wenn man sich selbst in der Zunft der Spaßmacher versuchen will.

„Unsere Clowns spielen auf Krankenstationen als richtige Therapie“, sagt er. „Aber unabhängig davon treten wir auch bei Familien- oder Bürofesten auf.“ Die Gagen für kurze und längere Engagements schwanken zwischen 100 und 500 Euro. Auch in Clown-Pädagogik ist Kustermann die richtige Adresse. Mit Ulk-Kollegen vom Verein „Rote Nasen Deutschland“ bietet er Workshops an. Spezieller Clown-Unterricht ist selten, ähnlich wie Kurse in Fakir- oder Feuerkunst. Hilfreich sind Seminare zu Bewegungstheater, wie sie das „mime centrum“ im Prenzlauer Berg anbietet.

Wer Gaukler werden will, muss den Künstler in sich entdecken. Bei Werner Lüft, seit 20 Jahren Artist und Geschäftsführer des Kreuzberger Ladens „Die Jonglerie“, könnte das passieren. An seinem Stand auf dem Gauklerfest steht ein Wäschekorb mit Ringen, Reifen und Bällen. „Da darf jeder ein bisschen ausprobieren“, sagt er. „Kinder lernen am schnellsten in den Zirkussen Cabuwazi oder Juxirkus.“ Jugendliche könnenen dienstags ins Statthaus Böcklerpark gehen. „Fortgeschrittene Erwachsene wenden sich am besten an den Verein Circulum“, sagt Werner Lüft. Wer auf Artistensuche ist, aber nicht lange nachfragen will, wendet sich an den Berliner Künstlerdienst des Arbeitsamtes. Dort werden Berufsgaukler als Dienstleister vermittelt.

Für eine professionelle Gauklerkarriere ist die „Schule für Artistik“ in Pankow richtig. Es ist die einzige staatliche Artistenschule in Deutschland. Nach dem Realschulabschluss heißen die Leistungskurse hier nicht Bio oder Mathe, sondern Trapez, Drahtseil oder Akrobatik. Die Absolventen, die sich staatlich geprüfte Artisten nennen dürfen, gehören zur Avantgarde der Artistikkünstler, wie sie etwa die Agentur „Josh Entertainment“ vermittelt. Staatlich anerkannt bildet auch die Schule für Darstellende Künste „Die Etage“ aus. Bedingung: Ein Hauptschulabschluss und die bestandene Aufnahmeprüfung. Bei der Etage gibt es auch Kurse für interessierte Laien.

Zauberer sind in Sachen Workshop und Unterricht besonders sensibel, denn sie wollen nicht jedem ihre Tricks verraten. Anfänger sind deshalb im „Berliner Zauberkeller“ bestens aufgehoben. Dort gibt es das Einmaleins der Zauberei an zehn Seminarabenden zu je zehn Euro. Um Geld muss man sich aber nicht sorgen. Schließlich kann man nach dem Kurs aus Bierdeckeln Geldscheine zaubern.

14. Berliner Gauklerfest, 30. Juli bis 8. August, Am Opernpalais, Unter den Linden, Mitte, Mo.-Fr. 16 bis 2 Uhr, Sa./So. 14 bis 2 Uhr, Eintritt 2,50 Euro, Kinder bis zwölf Jahre 50 Cent, ab 23 Uhr 1,50 Euro, www..gauklerfest.de.

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