Berlin : Das Leben ist eine Kultur-Baustelle

CDU will beide Ku’damm-Bühnen erhalten. Bund soll in Opernstiftung einsteigen

Sabine Beikler

Der Umgang mit den Ku’damm-Bühnen ist für die Berliner CDU kein angenehmes Gesprächsthema. „Wir haben uns dabei nicht mit Ruhm bekleckert“, sagte CDU-Kulturpolitiker Michael Braun am Mittwoch. Beide Bühnen, das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm, sollten erhalten bleiben. Deshalb müssten Theaterpächter Martin Woelffer „gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit das Gespräch mit den Investoren suchen“, forderte Braun. 1998 hatte der CDU-SPD-Senat, wie berichtet, den Bestandsschutz für die Häuser für eine Million Euro verkauft. Eigentümer des Ku’damm-Karrees ist der amerikanische Hedgefonds Fortress, der nach Tagesspiegel-Informationen das Ensemble weiterverkaufen will.

Bei den anderen „Kultur-Baustellen“, so Braun, liegt vor allem auch die Finanzierung der Opern ganz vorn. Wowereit hat den Bund gebeten, die Staatsoper komplett zu übernehmen oder – als zweite Option – in die Opernstiftung einzusteigen. Für die Berliner CDU ist eine Beteiligung des Bundes an der Stiftung die bessere Lösung. „Die finanziellen Belastungen wären größer, wenn man die Staatsoper herauslösen würde. Dann kämen andere Tarife zum Tragen“; sagte Braun. Die Verhandlungen zwischen Bund und Land laufen: Nach der Sommerpause soll über die Hauptstadtleistungen des Bundes entschieden werden. Es geht um viel Geld: Der laufende Betrieb allein der Staatsoper Unter den Linden kostet jährlich 49 Millionen Euro, die überfällige Sanierung des Bauwerks wird auf maximal 230 Millionen Euro geschätzt. Zugesagt hat der Bund bisher 50 Millionen Euro – unter der Bedingung, dass das Land die gleiche Summe zahlt und der Freundeskreis der Oper die Sanierung mit 30 Millionen Euro unterstützt. Die CDU hofft, dass sich der Bund mit mehr als 50 Millionen Euro beteiligt, da die Sanierungskosten laut Braun „weitaus höher“ ausfallen könnten.

Unstrittig ist für die Union, dass Berlin eine dauerhafte Kunsthalle braucht, über deren Standort diskutiert werden müsse. Klare Vorstellungen hat die CDU aber, welcher Entwurf für eine temporäre Kunsthalle auf dem Schloßplatz vorzuziehen ist: das Projekt „White Cube“ des Wiener Architekten Krischanitz, für das im Gegensatz zur futuristischen „Wolke“ der Architekten von Graft schon ein Finanzierungskonzept über 850 000 Euro durch die „Stiftung Zukunft Berlin“ erarbeitet worden ist. Bis 20. August müssen die „Wolke“- Initiatoren ihre Projektfinanzierung über acht Millionen Euro vorlegen.

Nach der Zwischennutzung soll 2010 der Bau des Humboldt-Forums beginnen. Die Raumaufteilung ist bereits beschlossen: 24 000 Quadratmeter für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, 4000 für die Berliner Landesbibliothek und 1000 für die Sammlungen der Humboldt-Universität. Die CDU fordert, dass die Freie Universität sich dort ebenso wie die HU präsentieren solle. Darüber wird zurzeit noch verhandelt. Sabine Beikler

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