Berlin : Das Lehrter Herz schlägt für Berlin

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Von Joachim Göres

„Erhalt des ns Lehrter Bahnhof in Berlin“ steht in großen Lettern auf dem Transparent, und daneben sitzen Carmen Bartsch, Gunnar Hoppe und André Tepper an einem Tisch und sammeln Unterschriften. 1000 haben die drei 16-jährigen Realschüler innerhalb einer Woche in Schulen, Geschäften und Parteiversammlungen in der niedersächsischen Kleinstadt Lehrte zusammen bekommen. Und nun gehen sie auf die Straße: am Wochenende war der Stand der „Lehrter Bahnhof-Ini“ erstmals auf dem Lehrter Markt vertreten, und Hunderte unterzeichneten einen Aufruf, in dem es unter anderem heißt: „Wir möchten mit Hilfe Ihrer Unterschrift erreichen, dass die Berliner Politiker wissen, dass wir uns für die Beibehaltung des Namens „Lehrter Bahnhof“ einsetzen.

Historisch ganz korrekt ist die Lehrter Initiative nicht. Denn bekanntlich wird jetzt nur der S-Bahn-Halt „Lehrter Stadtbahnhof“ abgerissen, an dessen Stelle wird der neue zentrale Fernbahnhof mit seinem riesigen Glasdach gebaut. Die eigentliche Fernbahnstation „Lehrter Bahnhof“ war schon in den 50er Jahren abgerissen worden. Doch wenn es um Bahnhöfe geht, kennen die Lehrter keinen Spaß – schließlich ist ihre Stadt wie kaum eine andere durch die Eisenbahn geprägt und noch heute einer der bedeutendsten. „Man sollte doch die Tradition erhalten“, sagt Helga Kumstel - und unterschreibt. Früher lebte ihre Tante in Berlin. Die wurde oft besucht und dabei nicht ohne Stolz ein Abstecher zum Lehrter Bahnhof gemacht. Es sind vor allem über 50-Jährige wie Helga Kumstel, die bereitwillig die Aktion der jüngsten Lehrter Bürgerinitiative unterstützen. „Viele Ältere kommen auf uns zu und erzählen von damals“, sagt Carmen Bartsch.

Fast jeder scheint derzeit in Lehrte noch einen Koffer in Berlin zu haben. „Ich war 30 Jahre bei Grundig und bin beruflich oft in Berlin gewesen“, erzählt der Rentner Kurt Beyer, der Artikel aus dem „Tagesspiegel“ über die aktuelle Diskussion zum Lehrter Bahnhof gesammelt hat. Auch André Tepper zieht es nach Berlin: bis Ende des Monats sollen 4000 Unterschriften beisammensein, und die will der junge BI-Initiator dann am liebsten persönlich Klaus Wowereit überreichen. SPD-Ratsfrau Helga Laube-Hoffmann ist skeptisch, ob durch die gemeinsame Parteizugehörigkeit etwas erreicht werden kann. Ihren Parteifreunden in der Hauptstadt verspricht sie: „Wir werden in Lehrte jedenfalls nicht die Berliner Allee umbenennen.“

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