Berlin : Das Licht leuchten lassen

Constance Frey

SONNTAGS UM ZEHN

Im lichtdurchfluteten Kirchenschiff sitzen etwa 200 Menschen. Draußen liegen noch einige Studenten schlafend vor dem Roten Rathaus, hier in der Marienkirche am Alexanderplatz ist es warm, und der Kirchenchor der sierra-leonischen Gemeinde von Berlin singt begleitet von Trommeln und Rasseln. Eigentlich alles sehr schön. Da hält der freikirchliche Bischof Theodor Clemens eine mit bunten Bändchen verzierte Krücke hoch: „Mehrere tausend Kinder sind in Sierra Leone durch Macheten verkrüppelt worden.“ In der Marienkirche wurde gestern zum zweiten Advent die 45. Spendenaktion von Brot für die Welt in Berlin eröffnet. Am ersten Advent war die Spendenaktion unter dem Motto „alles was recht ist“ deutschlandweit in Hamburg eröffnet worden. Als Schwerpunkt hat sich die Berliner Diakonie dieses Jahr die Unterstützung von ehemaligen Kindersoldaten in Sierra Leone ausgesucht.

Dazu passt das verlesene Credo von Dietrich Bonhoeffer: „Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen.“ Derzeit leben etwa 500 minderjährige Rekruten in Deutschland, die meisten stammen aus Afrika. Bischof Wolfgang Huber ruft in seiner Predigt zur Besinnung in der Adventszeit auf: „Gottesdienste sind keine Selbsttäuschungsaktionen.“ Es sei an der Zeit, über die höchst unterschiedliche Behandlung der Kinder auf dieser Welt nachzudenken. Denn alle seien doch „best kid on earth“ – das beste Kind auf Erden, Gottes Kinder. Und etwas dafür zu tun, damit die Dinge sich ändern. Zum Beispiel für die Kinder in Sierra Leone. „Denn wie soll das Licht uns zu Weihnachten leuchten, wenn wir nicht unseren Beitrag leisten, damit ihres leuchtet?“

Der Gottesdienst mit Abendmahl und der Auszeichnung eines engagierten Gemeindemitglieds wird musikalisch vom Bläserchor der Mariengemeinde und der Sängergruppe der sierra-leonischen Gemeinde begleitet. Neben traditionellen Weihnachtsliedern wie „Macht hoch die Tür“ und „Tochter Zion“ gibt es auch Lieder aus Südafrika und dem Kongo. „Die Rechte der Armen müssen endlich weltweit anerkannt und berücksichtigt werden“, sagt Bischof Clemens. Denn das Recht auf Gesundheit nütze nichts, wenn die Medikamente unerschwinglich blieben. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Siegfried Helias unterstreicht: „Kinder sind die Zukunft unserer Zivilisation, sie dürfen nicht länger als Schachfiguren missbraucht werden. Das ist die gemeinsame Aufgabe von Politik und Zivilgesellschaft.“ Am Kircheneingang liefert eine Fotoausstellung Impressionen aus Sierra Leone. Und die Spendenkörbe am Ausgang sind voller Scheine.

Spenden und weitere Informationen unter www.brot-fuer-die-welt.de oder an Konto Nummer 500 500 500, Postbank Köln, BLZ 370 100 50.

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