Berlin : Das Luftschloss ist pleite: Alle Termine abgesagt

Berliner Kabarett-Anstalt hat Insolvenz angemeldet

Katja Füchsel

Aus, vorbei: Das Luftschloss der „Berliner Kabarett-Anstalt“ (BKA) ist pleite. „Wir haben Insolvenz angemeldet“, sagt Sprecherin Susann Krieger. Wie es für die Mitarbeiter jetzt weitergeht, ist noch ungewiss, fest steht aber: Alle Veranstaltungen im BKA-Zelt in Friedrichshain sind abgesagt, das Programm im Theater am Kreuzberger Mehringdamm laufe erst einmal „unter Vorbehalt“ weiter.

Das BKA hat es seit seiner Gründung 1988 schwer gehabt und vielleicht deshalb nichts beschönigt: „Der seidene Faden, an dem eine solche Kalkulation hängt, würde schnell porös werden bei den heftigen Schwankungen, denen die Zahl der eifrig umworbenen Zuschauer in Berlin unterworfen ist“ – mit diesen blumigen Worten wirbt das BKA in einem Brief um Förderer. Mit der neuen Spielstätte nahe dem Ostbahnhof hat sich das BKA offenbar endgültig überhoben. Nur wenige Wochen nach der Eröffnungsfeier gibt das BKA sein Luftschloss jetzt auf. „Aufgrund der schlechten Lage sind viel weniger Zuschauer gekommen“, sagt Krieger.

Auf dem Schloßplatz hatte das BKA-Zelt den Berliner Dom und Museen als Nachbarn, jetzt sind es neben vielen Gleisen die „Möbelrampe Sonderposten“ und Aldi. Trotzdem wirkte Mitbegründer und Geschäftsführer Rainer Rubbert durchaus glücklich, als das BKA Ende August hier Quartier bezog. 150000 Euro gab es für den Umzug von der Lottostiftung und einem Bundesprogramm für Kultur. Neben dem Musik-Show-und-Musical-Zelt war ein Biergarten auf der Brache am Wriezener Bahnhof geplant, auch eine Partyhalle sollte es geben – nichts als Luftschlösser. Gestern zogen sich Rubbert&Co am Mehringdamm mit einem Insolvenzverwalter zurück, um über einen Notfallplan zu beraten.

Noch hoffen die Mitarbeiter und BKA-Fans, schließlich hat die Kabarett-Anstalt in den vergangenen 16 Jahren eine Krise nach der anderen überlebt: Es war im April 1988, als die Kabarett-Truppe „Die Enterbten“ ein Dachgeschoss am Mehringdamm bezog und fortan bespielte. Das Zelt für zusätzliche Veranstaltungen erhielt 1991 einen festen Platz am Kulturforum, wurde aber 1998 zwangsgeräumt, weil es laut Senat nicht ins „würdige Ambiente“ der neugebauten Gemäldegalerie passe. Nach langem Hin und Her, einem Hungerstreik des damaligen Geschäftsführers und einem Insolvenzantrag konnte das BKA sein Zelt auf dem Schloßplatz in Mitte aufstellen – mit einer Sondergenehmigung, die zuerst auf ein Jahr befristet war, aber immer wieder erneuert wurde. Zwei Jahre lang suchte die Senatsverwaltung für Kultur zusammen mit dem BKA-Team nach einem dauerhaften Standort. Sein erster fester Mietvertrag versprach zehn Jahre Sicherheit – er hat dem BKA kein Glück gebracht.

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