Berlin : Das Mädchen lag tot auf einer Parkbank

Eine Spaziergängerin fand die Leiche kurz nach der Tat am Vormittag – das Opfer ist bisher nicht identifiziert

Jörn Hasselmann

Erneut ist die Leiche eines Mädchens in einem Park gefunden worden. Gut zwei Wochen nach dem Mord an der 14-jährigen Kristina Hani wurde gestern Vormittag in Wilmersdorf eine bislang nicht identifizierte tote Jugendliche gefunden. Eine Spaziergängerin, die mit ihrem Hund in der Grünanlage an der Forckenbeckstraße unterwegs war, machte die schreckliche Entdeckung. Das Mädchen soll 10 bis 15 Jahre alt sein, vielleicht etwas älter, dunkelhäutig, es hatte mehrere Schnittverletzungen. Die Tat soll kurz zuvor begangen worden sein, die Kripo sucht Zeugen, die zwischen 10 Uhr und 10.30 Uhr etwas gesehen haben. Bis zum Abend gab es keine Vermisstenmeldung.

Möglicherweise hatte die Jugendliche noch gelebt, als sie gefunden wurde. Denn nachdem die Spaziergängerin die Polizei gerufen hatte, alarmierte der Lagedienst noch einen Notarzt, Stichwort „weiblich, Schnittverletzungen“. Der Arzt traf sechs Minuten später ein und stellte den Tod fest. Ein Psychologe betreute die Spaziergängerin.

Der Fundort ist auch der Tatort. Das Mädchen lag nicht im Gebüsch versteckt, sondern direkt sichtbar auf einer Parkbank, wo am Abend noch eine große Blutlache zu sehen war. Hinweise auf ein Sexualdelikt gibt es nicht. Das Mädchen war mit einem hellblauen Rock, hellblauen T-Shirt mit Micky-Maus-Aufdruck und rotweißen Ringelsocken bekleidet.

Die Polizei riegelte den Park stundenlang ab. Mit Akribie wurde der Tatort untersucht. Nach dem Mord an Kristina Hani in Neukölln hatte es Vorwürfe gegeben, dass die Polizei den Fund der Leiche zunächst nicht ernst genug genommen hatte. Wie berichtet, waren die Ermittler erst davon ausgegangen, dass es sich um einen Suizid handeln könnte. Die Mordkommission wurde erst mit zwölf Stunden Verzögerung eingeschaltet, in dieser Zeit sind am Tatort möglicherweise viele Spuren zerstört worden. Wie berichtet, war das Mädchen bei lebendigem Leib in einem Rollkoffer verbrannt worden.

Die 4. Mordkommission übernahm gestern sofort die Ermittlungen. Gegen 13 Uhr begann die 22. Einsatzhundertschaft der Bereitschaftspolizei, die Grünanlage zwischen Forckenbeckstraße, Kranzer Straße und Hohenzollerndamm abzusuchen. Auch Spürhunde wurden eingesetzt. Die Leiche wurde erst am späten Nachmittag abtransportiert.

Gefunden wurde das Mädchen in einem Park, der direkt hinter der Kreuzkirche am Hohenzollerndamm beginnt. Einen Namen hat er nicht. Inmitten der Grünanlage liegt ein derzeit ausgetrocknetes Regenwasser-Rückhaltebecken. Am Rande der Grünanlage befindet sich die Marienburg-Realschule. 1995 war schon einmal ein Toter im Park gefunden worden, junge Männer hatten einen Obdachlosen gequält und erstochen.

Vermisst wird in der Nachbarschaft seit 2003 Jurema de Andrade Seabra. Das damals 13-jährige, dunkelhäutige Mädchen wohnte nur etwa 500 Meter entfernt vom Tatort. Nach Polizeiangaben spricht aber kaum etwas dafür, dass es sich bei der Toten um Jurema handelt.

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