• Das meiste ist in Berlin schon gegessen Ging Skandalfleisch auch an Kliniken und Schulen?

Berlin : Das meiste ist in Berlin schon gegessen Ging Skandalfleisch auch an Kliniken und Schulen?

Jörn Hasselmann

Man muss schon gut gefrühstückt haben, damit der Magen die Lektüre über den jüngsten Fleischskandal aushält. Aber der Berliner Magen verträgt bekanntlich alles: Bulletten, Currywurst, Döner.

Und? Was ist im Döner drin?

Von den am 25. Oktober aus Lastrup nach Berlin gelieferten 7,8 Tonnen „Putenflügelfleisch mit Haut“ dürfte nach Einschätzung des Berliner Großhändlers das meiste schon verzehrt sein. „Vor allem als Dönerspieße“, sagte Gökhan Dodurgali, Geschäftsinhaber von Euro-Pa-Fleisch in Berlin-Moabit dem Tagesspiegel. Wie berichtet, hatten Polizei und Gesundheitsamt am Donnerstagabend das Lager durchsucht und den Rest der aus Lastrup bei Cloppenburg stammenden Lieferung beschlagnahmt. Der Betrieb in Lastrup war nach dem Fund stinkender und vergammelter Ware von der Staatsanwaltschaft geschlossen worden.

„Etwa 2,2 Tonnen sind in Berlin plombiert worden“, sagte Dodurgali, bis Donnerstag solle das Ergebnis der Laboruntersuchung vorliegen. Der Rest, gut fünf Tonnen, sei in der Woche nach Anlieferung an ein halbes Dutzend Firmen weiterverkauft worden, sagte Dodurgali. Die Namen seiner Abnehmer habe er der Polizei zur Verfügung gestellt. Nach Angaben der Gesundheitsverwaltung seien diese anschließend ebenfalls überprüft worden. Ob dort noch Fleisch beschlagnahmt wurde, blieb gestern unklar. Firmenchef Dodurgali glaubt das nicht: In der Regel werde die Ware innerhalb eines Tages verarbeitet.

Nach Angaben der Senatsgesundheitsverwaltung bestehe der Verdacht, dass in das nach Berlin gelieferte Putenfleisch Wasser gespritzt worden sei, um das Verkaufsgewicht zu erhöhen. Gesundheitsgefährdungen würden dadurch allerdings nicht hervorgerufen. Rechtlich aber sei das schwerer Betrug und Verstoß gegen das Lebensmittelgesetz, sagte ein Berliner Polizeisprecher. Geführt werden die Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft in Oldenburg. Die Sprecherin der Berliner Gesundheitsverwaltung, Roswitha Steinbrenner, betonte, dass die Firma Euro-Pa-Fleisch „ausschließlich Opfer und nicht Täter“ sei.

Geschäftsführer Dodurgali berichtete, er beziehe seit drei Jahren Fleisch von der Lastruper Firma. In diesem Jahr seien es zwei Lieferungen mit jeweils sieben bis zehn Tonnen gewesen. „Wir waren sehr überrascht“, sagte der Großhändler enttäuscht. Wenn das für den Donnerstag erwartete Laborergebnis feststelle, dass das Fleisch in Ordnung sei, werde es selbstverständlich weiter verkauft. Die Firma wirbt im Internet mit dem Satz: „Ihr Partner – wenn es um Qualität geht.“ Sie beliefert Dönerproduktionsfirmen und Großküchen wie Firmenkantinen, Kliniken und Schulen sowie den Handel.

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