Berlin : Das Millionengrab

Wegen Asbestsanierung: Palast-Abriss könnte bis zu zehn Millionen Euro teurer werden

Lars von Törne/Lothar Heinke

Der Abriss des Palasts der Republik wird weit teurer als erwartet. Die Verzögerung der Arbeiten wegen unerwarteter Asbestfunde könnte dazu führen, dass das einst auf gut zwölf Millionen Euro Kosten veranschlagte Vorhaben am Ende fast zehn Millionen Euro mehr als geplant kostet. Das bestätigte Petra Rohland von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Montag.

Nicht die Abrissfirma, sondern der Bund als Auftraggeber müsse dafür geradestehen. Denn die Verzögerungen seien nicht der Baufirma anzulasten. Kürzlich sei Asbest in Fugen des Bauwerks gefunden worden, wo ihn bei der Ausschreibung des Auftrages niemand vermutet hätte. Dies erfordere eine wesentlich aufwendigere Abrisstechnik.

Ob die nun beantragten 9,6 Millionen Euro Nachzahlung wirklich ausgegeben werden müssen, hänge jetzt davon ab, wie viel Asbest bei den weiteren Arbeiten an der Ruine noch gefunden werde. Wegen der neuen Entwicklung verzögert sich der Abriss, wie berichtet, möglicherweise um ein ganzes Jahr bis zum Frühling 2008.

Bis dahin bleibt dann auch die „Palastschaustelle“ stehen, jene Plattform, von der aus viele Schaulustige den „selektiven Rückbau“, wie es offiziell heißt, betrachten, filmen und fotografieren. Gestern war dort zu beobachten, dass der Mittelteil des ehemaligen Palastes mit dem Eingangsbereich und Foyer bereits deutlich durchlässig und niedriger geworden ist. Vom Fernsehturm kann man nun nicht nur die Antennenspitze, sondern die komplette Kugel sehen.

Bauleiter Michael Möller schätzt, dass bisher bis zu 2000 Tonnen Stahl ausgebaut und abtransportiert wurden. Da der Schrottpreis zur Zeit zwischen 200 und 230 Euro pro Tonne liegt, kann man sich ausrechnen, welche Summe am Ende bei der Zerlegung und Veräußerung von 20 000 Tonnen zusammenkommt.

40 Arbeiter sind zur Zeit auf der Palast-Baustelle zugange, zehn mehr als am Anfang. Die Einfüllung von 80 000 Kubikmetern Sand in die „schwarze Wanne“, auf der das Bauwerk geruht hat, ist abgeschlossen. Nun konzentrieren sich die Arbeiten auf den inneren Abbruch des Gebäudes, „dem man noch manche Träne nachweinen wird“, wie ein Besucher der Plattform sagt.

Gestern konnte man sehen, wie Männer in weißen Schutzanzügen und Masken, Astronauten ähnlich, unter Betonteilen versteckte Asbestreste aus den Fugen saugten. Der Schadstoff wird in große Säcke gepackt und als Sondermüll entsorgt. „Dadurch haben wir drei Monate Rückstand“, sagt der Bauleiter. Unter den Masken darf nur zwei Stunden gearbeitet werden, danach sind 30 Minuten Pause vorgeschrieben.

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