Berlin : Das Modell Kohl – gefeiert, gerahmt und in Öl verewigt

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Bei solchen Gelegenheiten habe er Probleme, dem eigenen Bild zu begegnen, sagte Helmut Kohl. „In Wirklichkeit sehe ich besser aus.“ Aber das sei eine laienhafte Bemerkung. Mehrmals war der frühere Bundeskanzler die Treppen hinauf in das Atelier des Malers Lutz Friedel am Kollwitzplatz gestiegen, um sich für die Ehrenbürgergalerie des Abgeordnetenhauses malen zu lassen. Gestern wurde das Ölgemälde feierlich enthüllt, das künftig im Westflügel des Landesparlaments neben Konrad Adenauer hängen wird.

„Es gibt einen alten Spruch“, sagte der Abgeordnetenhauspräsident Walter Momper in seiner Laudatio: „Was lange währt, wird endlich gut.“ Schon am 9. November 1992 war Kohl gemeinsam mit dem ehemaligen USPräsidenten Ronald Reagan und dem Ex-Staatschef der Sowjetunion, Michail Gorbatschow zum Ehrenbürger der deutschen Hauptstadt ernannt worden – für seine Verdienste um die deutsche Einheit. Aber es dauerte, bis sich Kohl malen ließ. Dann war kein Geld da, um das Bild zu bezahlen. Dann war es schwierig, einen Termin für die Enthüllung zu finden. Schwamm drüber. Der echte Kohl stieß gestern mit einem Gläschen Weißwein auf sein Ebenbild an, und der Beifall war lang und heftig.

Das lag nicht nur daran, dass so viele Parteifreunde aus der CDU ins Berliner Abgeordnetenhaus kamen. Sogar der Generalsekretär der Bundespartei, Volker Kauder war da, der ehemalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen und ein Dutzend CDU-Bundestagskandidaten. Darunter der frühere Landeschef der Union, Christoph Stölzl. Er hatte dem Ehrenbürger Kohl den Maler Friedel vor Jahren empfohlen, der gestern die Enthüllungsprozedur freundlich schweigend verfolgte. Aber auch die Berliner Fraktionschefs Michael Müller (SPD), Stephan Liebich (PDS) und Martin Lindner (FDP) applaudierten, als sich der Alt-Bundeskanzler zu Berlin bekannte. „Das ist die Stadt, zu der ich gehöre und der ich mich verpflichtet fühle.“ Auch wenn seine Heimatstadt Ludwigshafen an Schönheit nicht zu überbieten sei. za

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