Berlin : Das MoMA ist wirklich ein Star

75000 Besucher wollten bereits die Ausstellung sehen. Nur die „Körperwelten“ liefen besser

Maxi Leinkauf

Das hat selbst die Freunde der Nationalgalerie überrascht: 75000 Menschen haben in den letzten 14 Tagen die MoMA-Schau besucht. „Diese Zahl übertrifft unsere Erwartungen“, sagte André Odier, Projektleiter des Vereins, gestern. Durchschnittlich strömen täglich 5000 Menschen in die Neue Nationalgalerie, „und wir wollten 4000 pro Tag haben“. Aber auch diese Zahl wäre für Berlin schon außergewöhnlich.

2000 war der Andrang zur kulturhistorischen Ausstellung „Sieben Hügel“ im Martin-Gropius-Bau bereits eine kleine Sensation. Damals kamen 400000 Besucher, monatlich 100000. „Das war für Berlin sehr viel“, sagt Gereon Sievernich, Leiter des Martin-Gropius-Baus. Zu seiner Azteken-Ausstellung 2003 kamen beispielsweise 150000 Besucher in drei Monaten, eine Zahl die das MoMA vermutlich in vier Wochen schaffen wird. Nur 40000 Besucher im Monat wollten die Ausstellung über 50 Jahre Archäologie in Deutschland sehen.

Etwas weltstädtischer ging es bei der Eröffnung des Jüdischen Museums zu: In den ersten zwei Wochen kamen immerhin 37000 Besucher, etwas mehr als nach einer Woche in die MoMA. Nach drei Wochen war die magische Grenze von 100000 überschritten. „Ich freue mich über die MoMA-Zahlen. Wir haben alle was davon“, sagt Eva Söderman, Pressesprecherin des Jüdischen Museums. „Weil die Ausstellung montags schließt, kommen die Besucher dann zu uns.“ Der MoMA-Schau wird das nicht schaden. „Wir gehen nicht davon aus, dass die Zahlen zurück gehen“, sagt Odier. Selbst in seinem Museum habe es ähnlich frequentierte Ausstellungen noch nie gegeben. Zur „Kunst in der DDR“ kamen 2003 in drei Monaten 162000 Besucher, also 14000 pro Woche. Die Zahlen könne man aber nicht ohne weiteres vergleichen. „Es handelt sich bei der MoMA um eine Sonderausstellung außergewöhnlichen Bestandes, sie ist ein Publikumsmagnet“, sagt Christoffer Richartz, Leiter der Besucherdienste der Staatlichen Museen zu Berlin. „Erstaunlich sind die Zahlen eher, weil die MoMA so lange läuft, nicht nur drei Monate“, so Richartz. Die Ausstellung ist noch bis September geöffnet.

Wenigstens einmal konnte sich eine Ausstellung in Berlin mit dem Ansturm auf die MoMA-Schau messen – wenn auch mit einem durchaus umstrittenen Projekt: Um die „Körperwelten“ zu begutachten, kamen 2001 in den ersten 14 Tagen nach Eröffnung 83500 Besucher in den Paketbahnhof am Ostbahnhof. Pro Tag kamen zwischen 13000 und 15000 Besuchern.

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