Berlin : Das MoMA lebt auch in Berlin weiter

Überschuss der Ausstellung soll in Stiftung fließen. Kulturausschuss diskutierte auch über Museumsinsel

Nicola Kuhn

Die 6,5 Millionen Euro Überschuss, die der Besuchermagnet MoMA in diesem Jahr eingebracht hat, sollen in eine Stiftung zum Kauf zeitgenössischer Kunst eingehen. Das teilte Kultursenator Thomas Flierl (PDS) gestern vor dem Kulturausschuss mit. Er halte die Idee der Freunde der Nationalgalerie für „sehr sinnvoll“. Im Ausschuss ging es auch um die Museumsinsel und die düsteren Aussichten für den Standort Dahlem.

Präsident Klaus-Dieter Lehmann und Generaldirektor Peter-Klaus Schuster von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz nahmen zu den Vorwürfen des Bundesrechnungshofes über die geplante Sanierung der Museumsinsel Stellung. Schuster sprach von einer „moralisierenden Luftnummer“ und erntete damit auch die Zustimmung von Abgeordneten. Dass ausgerechnet die Kultur ins Kreuzfeuer gerate, sei typisch, erregte sich Brigitte Lange, kulturpolitische Sprecherin der SPD. Die Prüfer hatten Einsparungen in Höhe von 130 Millionen Euro bei der Sanierung der Museumsinsel gefordert. Lehmann erklärte noch einmal nachdrücklich, dass die geforderte Planungsvariabilität längst bestehe. Erst Ende nächsten Jahres könne entschieden werden, ob nun beim Pergamonmuseum nur die historische Substanz saniert, der vierte Flügel angefügt oder auch die „archäologische Promenade“ unter den Museen umgesetzt werden könne.

Nach einem Rückblick auf die letzten Erfolge – außer dem MoMA gab es noch einige Museumseröffnungen in den vergangenen Monaten – hatte Stiftungspräsident Lehmann auch schlechte Neuigkeiten: Der Standort Dahlem werde mit Gewissheit aufgegeben, sagte er. Wann, ist noch unklar, vermutlich in zehn Jahren. Dann müssten die Häuser in Dahlem für bis zu 300 Millionen Euro saniert werden. CDU-Mann Michael Braun kündigte den erbitterten Widerstand gegen eine „kulturelle Verödung“ im Südwesten an.

Die Stiftung plant weiter optimistisch daran, Mitte zum Ort der außereuropäischen Sammlungen zu machen. Lehmann hofft auf den Wiederaufbau des Schlosses und hätte darin gern ein Verhältnis von 65 zu 35 Prozent zwischen Kunst und Kommerz – wenn tatsächlich große Teile der Depots nach Friedrichshagen verlegt werden könnten. Er verwahrte sich gegen ein bauliches Patchwork von Palast-Resten und Schloss, regte aber an, das Fundament des Palastes für den Wiederaufbau zu nutzen. Auch die Zukunft des Kulturforums als Standort der Moderne steht in den Sternen. Nach wie vor soll die Gemäldegalerie in die Nähe der Museumsinsel ziehen, wo es für einen Neubau bereits das Grundstück gibt, das Geld aber fehlt.

Auch der Einzug der Kunst des 20. Jahrhunderts in den dann freien Bau der Gemäldegalerie am Kulturforum rückt damit in weite Ferne. Die vom Abgeordneten Wolfgang Brauer (PDS) geforderte dauerhafte Präsentation der Sammlung bleibt ebenfalls frommer Wunsch; für Wechselausstellungen muss weiterhin der Mies-van-der-Rohe-Bau leer geräumt werden.

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