Berlin : „Das müssen wir erforschen!“

Der Soziologie-Professor Ronald Hitzler hält beim Rave eine Rede

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Was sucht ein 54jähriger Soziologieprofessor auf einer Techno-Veranstaltung?

Ich forsche seit Mitte der Neunzigerjahre in der Techno-Szene. Wenn man das tut, ist man den Menschen verbunden und hat ihnen viel zu verdanken. Als mich die Initiatoren der Aktion auf dem Kurfürstendamm fragten, hatte ich keine Einwände.

Sie – ein Aushängeschild für Jugendkultur?

Das wäre ja grauenhaft – und merkwürdig. Wenn Sie meinen Kopf und meinen Bauch sehen, könnte ich eher das Aushängeschild für einen Fußball sein. Nein, ich bin ein affirmativer Beobachter.

Wie sind Sie in die Szene hineingeraten?

Mitte der Neunziger haben mich Studierende überredet, auf eine Techno-Veranstaltung zu gehen. Ich hatte eine Riesenangst – dass ich zusammengeschlagen oder gar verhaftet werde. Ganz mutig war ich trotzdem eine Nacht in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle in Stuttgart. Danach habe ich zu meinen Kollegen gesagt: Das müssen wir erforschen!

Ist Techno nicht schon längst tot?

Nein. Jede Szene hat Konjunkturen. Die Frage ist: Wie innovativ ist Techno heute? Experten erkennen Weiterentwicklungen, aber die Wahrnehmung von außen ist: Das ist der gleiche Krach wie vorher. Aber das stimmt inhaltlich nicht.

Was werden Sie in Ihrer Rede sagen?

Das weiß ich noch nicht. Ich höre mir die anderen Redner erst einmal an und hoffe, dass ich spontan reagieren kann, ohne zu doppeln. Ich würde gerne der Raving Community sagen, dass sie sich wieder an die Gemeinschaft erinnern soll.

Welches Vorurteil stört Sie?

Dass Techno die Vorhölle ist. Ich empfehle allen Menschen, wenigstens einmal auf eine Techno-Veranstaltung zu gehen. Das ist zwar wahnsinnig laut, aber wenn Sie zuschauen, sehen Sie viele Beispiele für ein friedliches Miteinander.

Wie lange bleiben Sie am Samstag auf?

Wenn die Stimmung gut wird, bin ich in der Nacht nicht im Bett. Dann lege ich mich am Sonntag hin und gehe später beim Tresor vorbei.Ulf Lippitz

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