Berlin : Das Musical hatte zu wenige Besucher - es folgt ein "Tap Dogs"-Gastspiel

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Das Ensemble des Musicals "Rent" hört früher auf. Die Leitung des Theaters des Westens entschied, das Stück zum 4. Januar abzusetzen - einige Tage früher, als bislang geplant. Intendant Elmar Ottenthal hoffte, mit "Rent" dauerhaft das Theater der Freien Volksbühne an der Schaperstraße als zweite Spielstätte seines Hauses zu etablieren. Nach dem Misserfolg ist davon keine Rede mehr: "Unser Mietvertrag läuft Ende Januar aus", sagte Ottenthal dem Tagesspiegel, "wir werden ihn danach nicht verlängern." Zu weit gingen die Vorstellungen von Ottenthal und dem Eigentümer des Hauses über die Miete auseinander.

Ottenthal ist enttäuscht über die Auslastung des Theaters durch "Rent". An den Wochenenden seien die Sitze zwischen 60 bis 70 Prozent, während der Woche aber nur zu 35 Prozent ausgelastet gewesen, "mit Ausreißern nach unten", so der Intendant. Das Musical habe sich jedoch aus seinen eigenen Erlösen tragen müssen, die erzielten Umsätze hatten dazu aber nicht gereicht. Ottenthal will aber die Idee einer zweiten Spielstätte für das Theater des Westens weiterverfolgen: "Es muss aber nicht unbedingt ein Haus dieser Größe sein." Ein Raum, in dem die Schauspieler und Sänger seines Haus experimentelle Stücke wagen können, sei ausreichend, so Ottenthal.

"Rent" erzählt eine Geschichte aus dem New Yorker Eastvillage und behandelt unter anderem das Thema Aids. Es war am 3. September gestartet worden. Bei einer guten Resonanz hatte sich Ottenthal auch eine längere Spieldauer als die von vornherein geplanten vier Monate vorstellen können. Die Tourneeproduktion, die zuvor auch in anderen deutschen Städten gastierte, hatte allerdings auch in den Stationen vor Berlin alles andere als Erfolge verzeichnet. Die Songtexte aus dem Amerikanischen übersetzte Heinz Rudolph Kunze. Nun wird das Musical durch ein Gastspiel der Showtruppe "Tap Dogs" ersetzt, die bis Ende Januar die Freie Volksbühne nutzen wird. Weil die Truppe aber mindestens drei Wochen bleiben muss, hat Ottenthal das Musical absetzen lassen.

"Es ist offenbar sehr schwer, ein bereits totgesagtes Theater wiederzubeleben", bilanziert Ottenthal. Das Haus sei kaum noch als Sprechbühne im Bewusstsein der Berliner und das Konzept, "es nur hin- und wieder zu bespielen, hat ihm mehr geschadet als genutzt", sagt der Intendant.

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