Berlin : „Das muss ich erst mal verkraften“

Nachts klingelte die Polizei bei Hausmeister Thiele. Seine Autos brannten

Jens Kiffmeier (dapd)
In Trümmern. Hausmeister Andreas Thiele beklagt den Verlust seiner Autos, die er für seine Arbeit dringend braucht. Foto: dapd
In Trümmern. Hausmeister Andreas Thiele beklagt den Verlust seiner Autos, die er für seine Arbeit dringend braucht. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Es war wie in einem schlechten Traum: Mitten in der Nacht reißt die Türklingel Andreas Thiele aus dem Schlaf. Vor der Wohnung stehen Polizisten. Was die Beamten dem Hausmeister mitteilen, zieht ihm den Boden unter den Füßen weg. Thiele muss sich setzen. „Das musste ich erst einmal verkraften.“

Gegen 3.15 Uhr hatten Autobrandstifter in der Lichtenberger Elli-Voigt-Straße einen Transporter angezündet. Darin befand sich nach Polizeiangaben eine Gasanlage, die in der Folge explodierte. Die Flammen schlugen auf weitere Fahrzeuge über. Drei davon gehörten Thiele. Ein weißer, drei Jahre alter Kleinbus und ein Wagen, mit dem vor allem der Sohn fuhr, brannten vollständig aus. Das Auto der Lebensgefährtin wurde nur leicht beschädigt. Der Schaden? 40 000 Euro.

Für Thiele sind die mutmaßlichen Brandstifter „Geisteskranke“. Leider herrsche in der Hauptstadt ein Klima, in dem niemand mehr Achtung vor fremden Eigentum habe, klagt Thiele. „Die so etwas tun, wissen nicht mehr, wie hart es ist, sich ein Auto zu erarbeiten.“ Seit zehn Jahren ist der vierfache Familienvater als Hausmeister beschäftigt. Vier Anlagen muss er täglich betreuen, jetzt ist er dabei stark eingeschränkt. Denn mit dem VW-Bus verschmorte zusätzlich auch das Werkzeug. Natürlich seien die Fahrzeuge versichert gewesen. „Aber ich bekomme sicherlich nur den aktuellen Gegenwert und nicht den Neupreis wieder.“

Den Gedanken, dass er selber Opfer in der Brandserie werden könnte, hatte Thiele stets verdrängt. Dabei hatte ihn seine Mutter gewarnt. Als es auch in seinem Kiez brannte, hatte sie ihm geraten, seine Autos nicht auf der Straße stehen zu lassen und stattdessen lieber auf ihrem Grundstück zu parken. Der Sohn lehnte ab. Jens Kiffmeier (dapd)

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