Berlin : Das "Neue Berlin": Die "Schaustelle" wird immer mehr zur Marke

MarÉn Balkow

Großplakate an Häuserfassaden, ganzseitige Anzeigen in Magazinen, Werbespots im Fernsehen - das "Neue Berlin" wird zum Produkt erklärt und vermarktet wie das Eis des Jahres oder die Automarke XY. Und das funktioniert wunderbar: Seit fünf Jahren wird unter dem Logo "Schaustelle Berlin" für eine dichte Veranstaltungsreihe an 10 Wochen von Juni bis September geworben. "Die Schaustelle ist zur Dachmarke für den Berliner Sommer geworden", bilanzierte der Geschäftsführer der Marketinggesellschaft "Partner für Berlin", Wolfram von Fritsch, am Montag. "Ein Sommerloch gibt es in der Stadt nicht". 2,2 Millionen Gäste haben die Stadt im ersten Halbjahr besucht, das sind knapp ein Prozent mehr als im Vorjahr.

Wo "Schaustelle" draufsteht, da kann der Berliner und der Tourist hingehen, reingehen und gucken. Hier wird er über Baustellen, S-Bahngleise und Kulturgüter geführt, hier kann er Fertiges betrachten, Kunst und Kultur erleben oder einfach nur feiern. "Schaustelle Berlin", das ist Lehrter Stadtbahnhof genauso wie Love Parade oder Mexikanische Botschaft. Ein "riesen Erfolg" war das neue Kulturfest auf der Museumsinsel, das neben dem Open-Air-Kino auch mit hochkarätig besetzten Konzerten und Lesungen über 50 000 Besucher anlockte. Und auch vom Ansturm auf den Tag der offenen Tür in den Botschaften wurden die Veranstalter überrascht. "Das Interesse an der Stadt ist enorm", sagte von Fritsch "deshalb werden wir unsere Angebote im nächsten Jahr noch weiter ausbauen." Seit sechs Jahren bietet diese Veranstaltungsreihe Führungen, Ausstellungen, Konzerte sowie Einblicke in die Berliner Wissenschaft an. Zu Highlights in diesem Jahr zählten das "Fest der Kontinente", das "Internationale Tanzfest" und die Einladung zum "Staatsbesuch", bei dem am vergangenen Wochenende das Bundeskanzleramt und die Ministerien ihre Türen öffneten.

In den zehn Wochen vom 23. Juni bis 2. September wurden Besuchern mehr als 100 Touren mit über 500 Terminen offeriert. Darunter waren Besichtigungen der Botschaften und Landesvertretungen sowie Bootsfahrten zum Spandauer See und zur Rummelsburger Bucht. Zu speziellen Führungen wurden mit 11 000 Karten rund 3 000 Tickets mehr verkauft als im Vorjahr.

Ein besonderes Erlebnis, gerade für die Bewohner der Stadt, sind nach wie vor die Baustellen- und Neubaubesichtigungen. "Das Interesse der Berliner an ihrer Stadt ist ungebrochen", sagt von Fritsch. 40 Prozent Besucherzuwachs gab es hier. Höhepunkte wie das "All Nations Festival" waren dem Besucheransturm gar nicht gewachsen. So gab es zu wenig Busse für den Transport der Gäste von einer Botschaft zur anderen. Und im nächsten Jahr? Da gibt es noch mehr Baustellen. Leipziger Platz und Alex - das sind die Schaustellen 2002.

Im kommenden Jahr soll die "Schaustelle" verstärkt international vermarktet werden, kündigte Fritsch an. Der Anteil von 25 Prozent ausländischen Besuchern sei für eine Metropole wie Berlin zu gering. Darüber hinaus werde enger mit dem Land Brandenburg kooperiert, indem noch mehr Touren in das grüne Umland von Berlin aus starten sollen.

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