Berlin : "Das Neue Berlin in Bildern": Jenseits der Traufhöhe

Robert Kaltenbrunner

Dass Berlin während der letzten elf Jahre in einen Dauergalopp der baulichen Veränderung versetzt wurde, dass nicht nur spektakuläre Einzelprojekte wie Lehrter Bahnhof oder Reichstagsumbau diesen Prozess prägen, sondern sich die Gestalt der gesamten Stadt rasant wandelt: Was jeder zu wissen und zu kennen glaubt, ist indes nur schwer anschaulich zu machen. "Das Neue Berlin in Bildern" versucht genau das, indem es rund 200 Architekturfotografien als gleichsam kaleidoskopischen Beweis bemüht. Kodifizierte Leitlinien und sonstiges Rüstzeug scheinen dabei keine grosse Rolle zu spielen. Zwar gab es seinerzeit Bemühungen, mit Begriffen wie "Handwerklichkeit" und "steinernes Haus" die architektonischen Grundwerte des Neuen Berlin zu fixieren. Aber weder taugten sie für eine intellektuell fundierte Auseinandersetzung mit der Stadt, noch wurden sie tatsächlich übermächtig.

Im Gegenteil: Was da zu sehen ist, offenbart sich bei weitem nicht nur als eingepasste Norm und traufhöhenkompatibler Quader, sondern - erfreulicherweise - auch beschwingt, spitz und gläsern, aufschießend, dynamisch und expressiv. Dabei wird durch dieses vielgestaltige Neue auch dem Alten mehr Gewicht verliehen.

Leider scheint es unvermeidlich, dass wichtige Alltagsbereiche einfach ausgespart werden. Neben der City interessieren nur die Highlights am Rande der Stadt, die Schlösser in Britz, Köpenick und Friedrichsfelde, nicht aber die neuen Wohngebiete in Karow-Nord oder Altglienicke, ganz zu schweigen von Gropiusstadt oder Hellersdorf. Gleichwohl ist ein Coffee-table-book der besseren Art herausgekommen: kursorisch, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber doch eine Gesamtschau dessen, was sich unterm Strich im Verlauf der letzten elf Jahre in Berlin getan hat.

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